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Johann Rudolph Glauber, Reichen Schatz vnd Sammel-Kastens oder Appendicis Generalis Zweite Centuria (Amsterdam: Johan Jansson 1660), Kap. 42-43 und 96-97 · 1660 · Frühneuhochdeutsch, gedruckt in Amsterdam 1660; chemisch-technisches Werk von Johann Rudolph Glauber · Amsterdam (deutschsprachiger Druck)
Sechs Vorschriften aus Glaubers chemischem Sammelwerk: Wein, Bier, Obstwein, ein ungehopfter Weizenmalztrank, Met aus dunkel gekochtem Honig und Nachwein werden nach der Gärung stärker und haltbarer, indem man ihnen Wasser als Eis entzieht.
Johann Rudolph Glauber (1604-1670) war Chemiker. Nach ihm heißt bis heute das Glaubersalz, sein „Sal mirabile“. In Amsterdam erschien ab 1660 sein Reicher Schatz- und Sammelkasten, angelegt auf zehn „Centurien“, also Blöcke von je hundert Abschnitten, die seine früheren Bücher erklären und ergänzen sollen. Glauber schreibt für Hausväter, Kaufleute und andere Chemiker, nicht für die Küche, und er wirbt dabei ständig für seine eigenen Geheimnisse.
In der Zweiten Centuria von 1660 stellt er ein Gerät vor, das er Wasser-Magnet oder Eis-Magnet nennt: ein kleines, verschlossenes Glas mit einer sehr kalten Salzzubereitung, das im Winter vorgekühlt an einer Schnur ins Getränk gehängt wird. Außen am Glas bildet sich Eis. Das Eis kommt mit heraus, das Getränk wird stärker. Die Füllung bleibt im Glas.
Sechs Einträge aus zwei Kapitelgruppen. Wir zeigen nur die Stellen, die ein Getränk von Anfang bis Ende beschreiben: geringen Wein, den die Gäste am Tisch selbst nachbessern; dünnes Bier für den Winter; Apfel- und Birnwein; einen ungehopften Trank aus Weizenmalz; einen Met aus Honig, der „je brauner je besser“ eingekocht wird; und den Nachwein aus Trestern, den Glauber ausdrücklich den Armen empfiehlt. Der Bau des Geräts selbst und die übrigen Nutzanwendungen, vom Weinhandel bis zur Harnschau, gehören nicht dazu.
Immer nach der Gärung. Glauber kocht nicht die Würze ein, er nimmt dem fertigen Getränk Wasser. Beim Met verlangt er deshalb ausdrücklich mehr Wasser als üblich, damit der Ansatz gut vergärt, und entzieht es erst nach der Klärung wieder. Ein Verhältnis von Honig zu Wasser nennt er nicht. Die Geschichte des Verfahrens von Paracelsus bis zur Kulmbacher Legende erzählt unsere Seite Eisbock vor dem Eisbock.
Was wir nicht wissen. Ob jemand diese Vorschriften je im großen Maßstab befolgt hat, ist offen. Glauber selbst rechnet mit Neugierigen, die es „in kleinen Proben“ versuchen. Wie viel Wasser sein Glas wirklich abzieht, ist nicht geprüft, und seine Erklärung von der „concentrirten Kälte“ ist seine Theorie. Unsere Rezepte nennen deshalb den Gefrierschrank als heutigen Weg. Die Füllungen, die er als Ersatz empfiehlt, sind starke Säuren: Dieses Glas sollte niemand nachbauen.
Der Text ist unsere eigene Transkription am Digitalisat und behält die Schreibung des Drucks: langes ſ, übergeschriebenes e, Schrägstriche. „Jähren“ heißt gären, „Milchlau“ milchwarm, „Biergest“ ist Bierhefe, „Thon“ die Tonne, „Leuren“ der Tresterwein. Glaubers Versprechen übersetzen wir als seine Aussagen, auch wenn er sagt, das Eis nehme den unliebsamen Honiggeschmack mit. Was er über die Gesundheit schreibt, verstehen wir nicht als Rat.
Werk (1660): gemeinfrei. Seitenbilder: Bayerische Staatsbibliothek München (bsb10286619), NoC-NC. Transkription, Übersetzung und Kommentar: fyndling.de (CC BY-SA 4.0).
- Die Fyndling-Redaktion
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