Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)
Chinawurzel-Brühe mit jungem Hahn
Moderne Übersetzung
Nimm etwa 45 g (anderthalb Unzen) Chinawurzel und lege sie 24 Stunden in etwa 2 l (ein Pottle) fließendes Wasser ein. Dann rühre es um und gib einen jungen Hahn hinein, dazu eine Handvoll entsteinte Sonnenrosinen, eine Handvoll Korinthen, ein Blatt Muskatblüte, eine Rosmarinspitze, etwa 8 g (eine Viertelunze) rotes Sandelholz und etwa 8 g (eine Viertelunze) weißes Sandelholz, und binde es mit dem Boden eines Weißbrotlaibs.
Wenn es gekocht ist, nimm den Hahn heraus und seihe die Brühe durch, bevor die Person davon trinken soll. Lass ihn drei Stunden vor dem Mittagessen nüchtern davon trinken und um vier Uhr nachmittags einen Trunk mit ein wenig Zucker nehmen. Die Brühe hält sich nur drei Tage gut.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| one Ounce and halfe of Chiny | etwa 45 g (anderthalb Unzen) Chinawurzel | 45 g | - | - |
| a pottle of running water | etwa 2 l (ein Pottle) fließendes Wasser | 2 l | - | - |
| a Cock Chicken | ein junger Hahn | 1 Stück | - | - |
| handfull of reasons of the sun stoned | eine Handvoll entsteinte Sonnenrosinen | 1 Handvoll | - | - |
| a handfull of Currence | eine Handvoll Korinthen | 1 Handvoll | - | - |
| a blaid of mace | ein Blatt Muskatblüte | 1 Stück | - | - |
| a top of rose-mary | eine Rosmarinspitze | 1 Zweig | - | - |
| a quarter of an Ounce of red Sanders | etwa 8 g (eine Viertelunze) rotes Sandelholz | 8 g | - | - |
| a quarter of an Ounce of white Sanders | etwa 8 g (eine Viertelunze) weißes Sandelholz | 8 g | - | - |
| the bottome of a white-lofe | der Boden eines Weißbrotlaibs | 1 Stück | - | - |
| a little sugar | ein wenig Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Eine Hühnerbrühe, in der eine Arzneidroge ausgekocht wird. Die Chinawurzel zieht zuerst 24 Stunden in fließendem Wasser; dann kommen ein junger Hahn, Sonnenrosinen, Korinthen, ein Blatt Muskatblüte, eine Rosmarinspitze und zweierlei Sandelholz dazu, und der Boden eines Weißbrotlaibs bindet die Brühe. Nach dem Kochen wird der Hahn herausgenommen und die Brühe geseiht; getrunken wird nur sie. Wie lange und bei welcher Hitze gekocht wird, sagt der Text nicht.
Chinawurzel und Sandelholz. „Chiny“ ist die Chinawurzel (Smilax china), dieselbe Droge wie im China Ale des Buchs. „Red“ und „white Sanders“ sind rotes und weißes Sandelholz. Wurzel und Hölzer bleiben beim Seihen zurück.
Der Brotboden. Der Text nennt das Binden vor dem Satz „when it is boyled“; das Brot kocht also mit und dickt die Brühe an, wie es auch Robert Mays China Broth mit einer Brotkruste tut.
Einordnung. Die Brühe dokumentiert, wie ein Haushalt eine Arzneidroge in eine Fleischbrühe band und ihre Einnahme nach der Tageszeit regelte - nüchtern am Vormittag, ein zweiter Trunk am Nachmittag. Eine Krankheit nennt die Handschrift nicht, eine Wirkung verspricht sie nicht. Sie ist hier als historisches Zeugnis übersetzt, nicht als Anleitung zur Selbstbehandlung. Die Haltbarkeit von nur drei Tagen gibt der Text selbst an.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/lon-050/
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