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Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)

England, 17. Jh., Nachträge bis 18. Jh. · Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände

Schnupfmittel aus Gundermann und Primelwurzel gegen Migräne und Schwindel

Moderne Übersetzung

Gegen die Migräne oder den Schwindel im Kopf: Zwanzig Blätter Gundermann und eine Primelwurzel, sauber gewaschen und geschabt - stoße sie zusammen klein mit einem Löffel voll Frauenmilch. Ist das Mittel für einen Mann, muss es die Milch sein, an der ein Mädchen saugt; ist es für eine Frau, muss es die Milch sein, an der ein Junge saugt.

Seihe den Saft aus, nimm von dieser Substanz einen Tropfen auf einen Löffel und setze einen Federkiel darauf. Halte ein Nasenloch mit deinem Finger zu und zieh den Tropfen mit dem anderen hoch. Nach drei Tagen tu dasselbe mit dem anderen Nasenloch, und dann eine Woche lang nicht mehr.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Twenty ground Ivy leaves 20 Gundermannblätter 20 Stück - -
one primrose roote 1 Primelwurzel 1 Stück - -
a sponefull of womans milke ein Löffel voll Frauenmilch 1 EL - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Ein Schnupfmittel aus dem Hauptteil des Buchs: Der Saft aus Gundermannblättern und einer Primelwurzel, mit einem Löffel Frauenmilch klein gestoßen und ausgeseiht, wird tropfenweise durch die Nase hochgezogen. Die Überschrift nennt den Zweck, Migräne und Schwindel im Kopf; das ist der Anspruch der Handschrift, keine belegte Wirkung.

Die Milch. Die Handschrift verlangt für einen Mann die Milch, an der ein Mädchen saugt, für eine Frau die Milch, an der ein Junge saugt - also die Milch einer stillenden Frau, über Kreuz nach dem Geschlecht des Kindes gewählt. Einen Grund dafür nennt sie nicht.

Der Federkiel. Der Kiel wird auf den Tropfen im Löffel gesetzt; wer das Mittel nimmt, hält ein Nasenloch zu und zieht den Tropfen mit dem anderen hoch. Der Kiel dient damit als Röhrchen. Nach drei Tagen wechselt die Anwendung auf das andere Nasenloch, danach folgt eine Woche Pause.

Einordnung. Ein Schnupfmittel der Hausapotheke gegen Kopfleiden, überliefert als historisches Zeugnis und nicht als Anleitung zur Behandlung.

fyndling.de/rezepte/lon-061/