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Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)

England, 17. Jh., Nachträge bis 18. Jh. · Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände

Gelbe Salbe aus Harzen und Wachs

Moderne Übersetzung

Die gelbe Salbe herstellen.

Nimm von Harz und Perrosen je etwa 225 g (ein halbes Pfund), von Jungfernwachs und Weihrauch je etwa 110 g (ein Viertelpfund), von Mastix und Hirschtalg je etwa 30 g (eine Unze). Zerschneide dann Talg und Wachs und lass beides zuerst in einem Kessel zergehen. Gib dann das Harz hinein und lass es schmelzen, danach die Perrosen, danach den Weihrauch, zuletzt den Mastix, eines nach dem anderen. Rühre dabei die ganze Zeit, bis alles gut geschmolzen ist, lass es aber auf keinen Fall kochen.

Nimm es dann vom Feuer und seihe es durch ein grobes Leinentuch in etwa 2 l (ein Pottle) kochend heißen Weißwein. Rühre so lange, bis es blutwarm ist. Gib dann etwa 110 g (ein Viertelpfund) Terpentin und etwa 8 g (zwei Drachmen) zerstoßenen Kampfer dazu und rühre beides gut ein. Wenn die Masse kalt genug zum Anfassen ist, nimm sie aus dem Wein und rolle sie für den Gebrauch zusammen.

Für eine Fistel: Gib etwa 120 g (vier Unzen) Myrrhe zu den Zutaten, während sie schmelzen.

Den Wein, in dem die Salbe gewaschen wurde, soll man aufheben, um damit eine Wunde oder ein Geschwür auszuwaschen; er sei dafür sehr gut.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
rosen Harz (Kolophonium) 225 g - -
perrosen Perrosen 225 g - -
virgins wax Jungfernwachs 110 g - -
frankincence Weihrauch 110 g - -
mastick Mastix 30 g - -
deer suit Hirschtalg 30 g - -
a pottle of white wine Weißwein 2 l - -
a quarter of pound of turpentine Terpentin 110 g - -
two drames of beaten Chamfeir Kampfer, zerstoßen 8 g - -
4 ounces of myrrhe Myrrhe 120 g - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Eine Salbe aus Harzen, Wachs und Hirschtalg, die zum Schluss aus dem Wein genommen und zusammengerollt wird. Die Handschrift nennt für die Grundfassung keinen Zweck; erst der Zusatz mit Myrrhe gilt einer Fistel, und der Wein, in dem die Masse abkühlt, soll zum Auswaschen von Wunden und Geschwüren dienen.

Die Reihenfolge. Zuerst zergehen Talg und Wachs, dann kommen die Harze einzeln dazu: Harz, Perrosen, Weihrauch, Mastix. Endzeichen sind „till they be well melted“ und das Verbot „by noe meanes to boile“. Danach läuft die Masse durch grobes Leinen in kochend heißen Weißwein und wird gerührt, bis sie blutwarm ist; erst dann kommen Terpentin und Kampfer hinein. Ob beides noch im warmen Wein oder erst beim Abkühlen eingerührt wird, lässt der Satzbau ohne Satzzeichen offen.

Perrosen. Das Wort steht zweimal deutlich in der Handschrift, ist aber in keinem der englischen Wörterbücher der Zeit verzeichnet. Die Paarung „rosen and perrosen“ und die Schmelzfolge sprechen für eine zweite Harzsorte; welche, bleibt offen.

Einordnung. Die Salbe gehört zur Wundversorgung einer Hausapotheke des 17. Jahrhunderts und wird hier als historisches Dokument wiedergegeben, nicht als Anleitung. Sachlich zu den Stoffen und Arbeitsschritten: Fett und Harz werden am offenen Feuer geschmolzen und sind brennbar, der Wein ist kochend heiß; Kampfer ist bei Verschlucken giftig, Terpentin reizt Haut und Schleimhäute.

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