Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)
Bleimasse aus Mennige und Bleiweiß für Pflastertücher
Moderne Übersetzung
Die Bleimasse für das learch-Tuch zu machen.
Nimm etwa 450 g (ein Pfund) Mennige und etwa 450 g (ein Pfund) Bleiweiß, beides sehr fein zerstoßen. Gib sie in eine tiefe, gut bleiglasierte Tonschüssel, dazu etwa 0,5 l (eine Pint) Salatöl, etwa 360 g (12 Unzen) Kastilienseife, in Scheiben geschnitten, und etwa 90 g (3 Unzen) Bienenwachs, sehr dünn geschnitten.
Setze sie über ein schwaches Feuer und rühre ununterbrochen, bis alles geschmolzen ist. Danach lass es schwach sieden, bis es die Farbe von Öl annimmt. Wenn es weder an den Fingern noch am Brett kleben bleibt, ist es genug.
Dann forme es entweder zu Rollen oder tauche Tücher hinein, und bewahre sie für deinen Gebrauch auf.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a pound of red lead | Mennige | 450 g | - | - |
| a pound of white | Bleiweiß | 450 g | - | - |
| a pint of sallet oyle | Salatöl | 500 ml | - | - |
| 12 ounces of cassell soap sliced in | Kastilienseife, in Scheiben | 360 g | - | - |
| 3 ounces of bees wax cut very thin | Bienenwachs, sehr dünn geschnitten | 90 g | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Eine gekochte Bleipflastermasse: Mennige und Bleiweiß werden fein zerstoßen und mit Salatöl, Kastilienseife und Bienenwachs in einer tiefen, bleiglasierten Tonschüssel über schwachem Feuer unter ständigem Rühren geschmolzen und dann schwach gesiedet, bis die Masse die Farbe von Öl hat. Die Endprobe nennt die Handschrift selbst: Die Masse ist fertig, wenn sie weder an den Fingern noch am Brett kleben bleibt. Danach wird sie zu Rollen geformt, oder Tücher werden hineingetaucht. Einen Zweck oder eine Krankheit nennt der Eintrag nicht.
Das learch-Tuch. Die Hand schreibt in der Überschrift „Learch Cloath“ mit demselben L wie in „Lead“. Ein Wort learch belegt kein Wörterbuch; naheliegend ist der searcloth oder cerecloth, das Pflastertuch, das Holme 1688 als durch Pflastermasse gezogenes Leinen beschreibt. Diese Deutung bleibt offen.
Einordnung. Der Eintrag ist ein Nachtrag einer späteren Hand des 17. Jahrhunderts und zeigt, wie ein Haushalt eine Pflastermasse für Pflastertücher selbst kochte; er ist als historisches Dokument wiedergegeben, nicht als Anleitung. Mennige und Bleiweiß sind Bleiverbindungen und giftig, schon das feine Zerstoßen erzeugt giftigen Staub. Die Masse aus Öl, Seife und Wachs wird über dem Feuer siedend heiß.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/lon-080/
fyndling.de/rezepte/lon-080/