Ménagier de Paris (Le Ménagier de Paris)
Vögel unzerlegt braten
Moderne Übersetzung
Regenpfeifer und Waldschnepfen. Rupfe die Vögel trocken, sänge sie ab und lasse die Füße dran. Brate sie und iss sie mit Salz. Und beachte, dass es drei Vogelarten gibt, die manche Köche ohne Ausnehmen braten, nämlich: Lerchen, Turteltauben und Regenpfeifer, weil ihre Eingeweide fett und ohne Unrat sind. Denn Lerchen fressen nichts als kleine Steine und Sand, Turteltauben Wacholderbeeren und wohlriechende Kräuter, und Regenpfeifer fressen Wind.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Plouviers et videcoq | 2 kleine Wildvögel (z.B. Wachteln, Rebhühner) | Wochenmarkt, Wildhändler | Wachteln aus Zucht |
| sel | Salz | - | - |
| aloes | Lerchen (heute geschützt) | ⚠ Artenschutz beachten, nicht erhältlich | Wachteln |
| turtres | Turteltauben (heute geschützt) | ⚠ Artenschutz beachten, nicht erhältlich | Wachteln |
| grains de geneuvre | Wacholderbeeren | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein puristischer Wildvogel-Braten am Spieß - so schlicht wie das italienische uccelletti oder der provenzalische Vogel auf dem Rost: rupfen, sengen, braten, mit Salz essen. Der Reiz liegt nicht in einer Sauce, sondern im Vogel selbst und in der mittelalterlichen Vorstellung, welche Arten man dafür nicht ausnehmen muss.
Sans effondrer - ungeschröpft braten. Die eigentliche Pointe steht im zweiten Teil: Lerchen (aloes), Turteltauben (turtres) und Regenpfeifer (pluviers) gart man nach diesem Text mitsamt Innereien, weil deren Eingeweide als „fett und ohne Unrat" galten. Die Begründung - Lerchen fräßen nur Steinchen und Sand, Tauben Wacholder und Kräuter, Regenpfeifer „nur Wind" - ist Volkskunde, kein Kochwissen, aber sie erklärt die Praxis: bei winzigen Vögeln spart man sich das mühsame Ausnehmen, und die mitgegarten Innereien geben Aroma. Dieselbe Logik kennt man bis heute vom Ortolan und von der Waldschnepfe (videcoq), die in der französischen Hochküche bis ins 20. Jahrhundert ungeschröpft, „auf ihrem eigenen Darm", gebraten wurde.
Praxis. Da Lerchen, Turteltauben und Regenpfeifer heute streng geschützt sind, dient dieser Teil als Kuriosum - nicht als Nachkoch-Anleitung zum Mitbraten der Innereien. Zum Nachkochen nimm Zuchtwachteln oder kleine Rebhühner aus dem Handel: trocken rupfen (oder vom Händler gerupft kaufen), die letzten Federkiele über der Flamme absengen, ausnehmen, Füße dranlassen. Auf den Spieß oder in die Pfanne über die Glut, in 12-20 Minuten goldbraun und durch braten, dabei mit dem austretenden Fett bestreichen. Nur Salz dazu - mehr will das Rezept nicht.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/men-155/
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