Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Regenpfeifer und Waldschnepfen. Rupfe die Vögel trocken, sänge sie ab und lasse die Füße dran. Brate sie und iss sie mit Salz. Und beachte, dass es drei Vogelarten gibt, die manche Köche ohne Ausnehmen braten, nämlich: Lerchen, Turteltauben und Regenpfeifer, weil ihre Eingeweide fett und ohne Unrat sind. Denn Lerchen fressen nichts als kleine Steine und Sand, Turteltauben Wacholderbeeren und wohlriechende Kräuter, und Regenpfeifer fressen Wind.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Plouviers et videcoq | 2 kleine Wildvögel (z.B. Wachteln, Rebhühner) | Wochenmarkt, Wildhändler | Wachteln aus Zucht |
| sel | Salz | - | - |
| aloes | Lerchen (heute geschützt) | ⚠ Artenschutz beachten, nicht erhältlich | Wachteln |
| turtres | Turteltauben (heute geschützt) | ⚠ Artenschutz beachten, nicht erhältlich | Wachteln |
| grains de geneuvre | Wacholderbeeren | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein puristischer Wildvogel-Braten am Spieß - so schlicht wie das italienische uccelletti oder der provenzalische Vogel auf dem Rost: rupfen, sengen, braten, mit Salz essen. Der Reiz liegt nicht in einer Sauce, sondern im Vogel selbst und in der mittelalterlichen Vorstellung, welche Arten man dafür nicht ausnehmen muss.
Sans effondrer - ungeschröpft braten. Die eigentliche Pointe steht im zweiten Teil: Lerchen (aloes), Turteltauben (turtres) und Regenpfeifer (pluviers) gart man nach diesem Text mitsamt Innereien, weil deren Eingeweide als „fett und ohne Unrat" galten. Die Begründung - Lerchen fräßen nur Steinchen und Sand, Tauben Wacholder und Kräuter, Regenpfeifer „nur Wind" - ist Volkskunde, kein Kochwissen, aber sie erklärt die Praxis: bei winzigen Vögeln spart man sich das mühsame Ausnehmen, und die mitgegarten Innereien geben Aroma. Dieselbe Logik kennt man bis heute vom Ortolan und von der Waldschnepfe (videcoq), die in der französischen Hochküche bis ins 20. Jahrhundert ungeschröpft, „auf ihrem eigenen Darm", gebraten wurde.
Praxis. Da Lerchen, Turteltauben und Regenpfeifer heute streng geschützt sind, dient dieser Teil als Kuriosum - nicht als Nachkoch-Anleitung zum Mitbraten der Innereien. Zum Nachkochen nimm Zuchtwachteln oder kleine Rebhühner aus dem Handel: trocken rupfen (oder vom Händler gerupft kaufen), die letzten Federkiele über der Flamme absengen, ausnehmen, Füße dranlassen. Auf den Spieß oder in die Pfanne über die Glut, in 12-20 Minuten goldbraun und durch braten, dabei mit dem austretenden Fett bestreichen. Nur Salz dazu - mehr will das Rezept nicht.
Da die im Originalrezept genannten Vögel (Regenpfeifer, Lerchen, Turteltauben) heute unter Artenschutz stehen und nicht gejagt oder verkauft werden dürfen, kannst du auf Zuchtwachteln oder kleine Rebhühner aus nachhaltiger Jagd zurückgreifen. Der Geschmack wird anders sein, aber die Zubereitungsart lässt sich so nachvollziehen.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Das Rupfen und Sengen kann vorbereitet werden. Das Braten der Vögel über offenem Feuer oder auf einem Rost ist eine authentische und einfache Methode, die wenig spezielle Ausrüstung erfordert.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es ist eine Sammlung von Ratschlägen für eine junge Ehefrau, die von ihrem älteren Ehemann verfasst wurde, und enthält neben Kochrezepten auch Anweisungen zur Haushaltsführung und Moral.
Das Rezept erklärt, dass Lerchen, Turteltauben und Regenpfeifer nicht ausgenommen werden müssen, weil ihre Eingeweide aufgrund ihrer Ernährung (kleine Steine, Sand, Wacholderbeeren, Kräuter, Wind) als 'fett und ohne Unrat' galten. Man nahm an, dass ihre Verdauung so sauber sei, dass die Innereien mitgebraten werden konnten und sogar zum Geschmack beitrugen.
Waldschnepfe; in der späteren Hochküche das klassische Beispiel für den ungeschröpft, mitsamt Innereien gebratenen Vogel.
Lerchen, kleine Singvögel - heute streng geschützt.
Ohne Ausnehmen, ohne Entdärmen; der Vogel wird mitsamt den Eingeweiden gebraten.
„Regenpfeifer fressen Wind" - mittelalterliche Volkskunde, die die saubere Innerei begründen sollte, kein zoologisches Wissen.
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