Ménagier de Paris (Le Ménagier de Paris)
Flüssigkeit zum Markieren von Leinen
Moderne Übersetzung
Um eine Flüssigkeit zum Markieren von Leinen herzustellen, nimm Achsenschmiere - das ist der schwarze Schlamm, der sich an beiden Enden der Wagenachse befindet. Gib schwarzes Pigment hinzu und binde alles mit Öl und Essig. Koche die gesamte Mischung zusammen auf. Erhitze dann dein Brandeisen oder deinen Stempel, tauche ihn in die Flüssigkeit und drücke ihn auf dein Leinen.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| camboiz (c'est le lymon noir qui est aux deux boutz de l'essieul de la charrecte) | Achsenschmiere (schwarzer Schlamm/Fett von der Wagenachse) | - | Ruß oder feiner Kohlenstaub |
| arrement | Schwarzes Pigment / Tinte | Künstlerbedarf (z.B. Lampenruß, Eisengallustinte), Online-Handel | Zusätzlicher Ruß oder sehr dunkle Tinte |
| uille | Pflanzenöl | - | - |
| vinaigre | Weinessig | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Kein Gericht, sondern eine Wäschetinte - eine dauerhafte schwarze Markierflüssigkeit, mit der man Leinen kennzeichnete. In großen Haushalten und beim Waschen außer Haus war das nötig, um Eigentum zu markieren; es ist der mittelalterliche Vorläufer des Wäschestempels und der Nameneinnäher.
Das Pigment kommt aus camboiz, der schwarzen Schmiere von den Enden der Wagenachse - ein rußig-fettiger Abrieb aus Schmierfett und Metallstaub, hier als billige, tiefschwarze Farbquelle genutzt. Verstärkt wird sie mit arrement, einem schwarzen Pigment beziehungsweise Tintenstoff (etymologisch verwandt mit lat. atramentum, schwarze Tinte).
Öl und Essig binden die Masse zu einer streichfähigen Tinte; das gemeinsame Aufkochen verbindet die Bestandteile. Die Markierung selbst wird mit einem erhitzten Stempel oder Brandeisen (merque) aufgedrückt, sodass die Farbe in die Faser einzieht und waschfest bleibt.
Umsetzung (Werkstatt, nicht Küche). Wer es nachstellen will, ersetzt die Achsenschmiere durch feinen Ruß oder Kohlenstaub und mischt ihn mit etwas dunkler Tinte, Öl und Essig zu einer streichfähigen Paste; kurz aufkochen. Stempel anwärmen, eintauchen, aufs Leinen drücken.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/men-347/
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