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Flüssigkeit zum Markieren von Leinen

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlichVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.PortionenAusreichend für eine kleine Menge MarkierungsflüssigkeitBuchMénagier de Paris (~1393)

Um eine Flüssigkeit zum Markieren von Leinen herzustellen, nimm Achsenschmiere - das ist der schwarze Schlamm, der sich an beiden Enden der Wagenachse befindet. Gib schwarzes Pigment hinzu und binde alles mit Öl und Essig. Koche die gesamte Mischung zusammen auf. Erhitze dann dein Brandeisen oder deinen Stempel, tauche ihn in die Flüssigkeit und drücke ihn auf dein Leinen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
camboiz (c'est le lymon noir qui est aux deux boutz de l'essieul de la charrecte) Achsenschmiere (schwarzer Schlamm/Fett von der Wagenachse) - Ruß oder feiner Kohlenstaub
arrement Schwarzes Pigment / Tinte Künstlerbedarf (z.B. Lampenruß, Eisengallustinte), Online-Handel Zusätzlicher Ruß oder sehr dunkle Tinte
uille Pflanzenöl - -
vinaigre Weinessig - -

Was ist das? Kein Gericht, sondern eine Wäschetinte - eine dauerhafte schwarze Markierflüssigkeit, mit der man Leinen kennzeichnete. In großen Haushalten und beim Waschen außer Haus war das nötig, um Eigentum zu markieren; es ist der mittelalterliche Vorläufer des Wäschestempels und der Nameneinnäher.

Das Pigment kommt aus camboiz, der schwarzen Schmiere von den Enden der Wagenachse - ein rußig-fettiger Abrieb aus Schmierfett und Metallstaub, hier als billige, tiefschwarze Farbquelle genutzt. Verstärkt wird sie mit arrement, einem schwarzen Pigment beziehungsweise Tintenstoff (etymologisch verwandt mit lat. atramentum, schwarze Tinte).

Öl und Essig binden die Masse zu einer streichfähigen Tinte; das gemeinsame Aufkochen verbindet die Bestandteile. Die Markierung selbst wird mit einem erhitzten Stempel oder Brandeisen (merque) aufgedrückt, sodass die Farbe in die Faser einzieht und waschfest bleibt.

Umsetzung (Werkstatt, nicht Küche). Wer es nachstellen will, ersetzt die Achsenschmiere durch feinen Ruß oder Kohlenstaub und mischt ihn mit etwas dunkler Tinte, Öl und Essig zu einer streichfähigen Paste; kurz aufkochen. Stempel anwärmen, eintauchen, aufs Leinen drücken.

Was ist 'camboiz' und 'arrement' und wie kann ich sie heute ersetzen?

'Camboiz' ist der schwarze Schlamm oder das Fett von einer Wagenachse, der als Pigmentquelle dient. Ersetze ihn durch feinen Ruß oder Kohlenstaub. 'Arrement' ist ein weiteres schwarzes Pigment oder ein Tintenbestandteil. Hierfür kannst du zusätzlichen Ruß oder eine fertige schwarze Tinte verwenden, um die Farbintensität zu erhöhen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach und die Zubereitung erfordert lediglich ein Gefäß und eine Wärmequelle zum Kochen der Flüssigkeit sowie zum Erhitzen des Stempels.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch aus der Zeit um 1393. Es wurde von einem wohlhabenden Pariser Bürger für seine junge Frau verfasst und enthält neben Kochrezepten auch Anleitungen für Haushaltsführung, Gartenbau und andere praktische Fertigkeiten.

Wofür wurde diese Flüssigkeit verwendet?

Diese Flüssigkeit diente dazu, Leinen dauerhaft zu markieren. Dies war wichtig, um Eigentum zu kennzeichnen, insbesondere in größeren Haushalten oder wenn Wäsche zum Waschen außer Haus gegeben wurde.

Pour faire liqueur pour seigner linge, prenez camboiz (c'est le lymon noir qui est aux deux boutz de l'essieul de la charrecte) et mectez de l'arrement et aliez d'uille et de vinaigre et boulez tout ensemble, et puis chauffez vostre merque et moulliez dedens et asseez dessus vostre linge.
camboiz

die schwarze Schmiere von den Enden der Wagenachse - rußig-fettiger Abrieb, hier als schwarze Pigmentquelle.

arrement

schwarzes Pigment bzw. Tintenstoff (verwandt mit lat. atramentum, schwarze Tinte) zur Verstärkung der Farbe.

seigner linge

Leinen markieren / kennzeichnen - wörtlich „Leinen bluten lassen", hier im Sinn von dauerhaft brandmarken.

merque

Stempel oder Brandeisen, das erhitzt und in die Tinte getaucht aufs Leinen gedrückt wird.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 171v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartseigner linge

Gewählte Lesart: Leinen markieren / kennzeichnen - die Funktion der Flüssigkeit, Wäsche dauerhaft zu zeichnen.

Andere mögliche Lesart:

  • wörtlich „Leinen bluten lassen" - Das Verb seigner heißt eigentlich „bluten". Im Kontext der dauerhaften Markierung steht es übertragen für das Einbrennen/Einfärben - die wörtliche Bedeutung erklärt das bildhafte Wort, ändert aber nichts an der Funktion.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 171v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Markierflüssigkeit (Wäschetinte) für Leinen. Höchstens als Living-History-Demonstration am Wäscheplatz interessant, nicht für die Lagerküche.
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