Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Um eine Flüssigkeit zum Markieren von Leinen herzustellen, nimm Achsenschmiere - das ist der schwarze Schlamm, der sich an beiden Enden der Wagenachse befindet. Gib schwarzes Pigment hinzu und binde alles mit Öl und Essig. Koche die gesamte Mischung zusammen auf. Erhitze dann dein Brandeisen oder deinen Stempel, tauche ihn in die Flüssigkeit und drücke ihn auf dein Leinen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| camboiz (c'est le lymon noir qui est aux deux boutz de l'essieul de la charrecte) | Achsenschmiere (schwarzer Schlamm/Fett von der Wagenachse) | - | Ruß oder feiner Kohlenstaub |
| arrement | Schwarzes Pigment / Tinte | Künstlerbedarf (z.B. Lampenruß, Eisengallustinte), Online-Handel | Zusätzlicher Ruß oder sehr dunkle Tinte |
| uille | Pflanzenöl | - | - |
| vinaigre | Weinessig | - | - |
Was ist das? Kein Gericht, sondern eine Wäschetinte - eine dauerhafte schwarze Markierflüssigkeit, mit der man Leinen kennzeichnete. In großen Haushalten und beim Waschen außer Haus war das nötig, um Eigentum zu markieren; es ist der mittelalterliche Vorläufer des Wäschestempels und der Nameneinnäher.
Das Pigment kommt aus camboiz, der schwarzen Schmiere von den Enden der Wagenachse - ein rußig-fettiger Abrieb aus Schmierfett und Metallstaub, hier als billige, tiefschwarze Farbquelle genutzt. Verstärkt wird sie mit arrement, einem schwarzen Pigment beziehungsweise Tintenstoff (etymologisch verwandt mit lat. atramentum, schwarze Tinte).
Öl und Essig binden die Masse zu einer streichfähigen Tinte; das gemeinsame Aufkochen verbindet die Bestandteile. Die Markierung selbst wird mit einem erhitzten Stempel oder Brandeisen (merque) aufgedrückt, sodass die Farbe in die Faser einzieht und waschfest bleibt.
Umsetzung (Werkstatt, nicht Küche). Wer es nachstellen will, ersetzt die Achsenschmiere durch feinen Ruß oder Kohlenstaub und mischt ihn mit etwas dunkler Tinte, Öl und Essig zu einer streichfähigen Paste; kurz aufkochen. Stempel anwärmen, eintauchen, aufs Leinen drücken.
'Camboiz' ist der schwarze Schlamm oder das Fett von einer Wagenachse, der als Pigmentquelle dient. Ersetze ihn durch feinen Ruß oder Kohlenstaub. 'Arrement' ist ein weiteres schwarzes Pigment oder ein Tintenbestandteil. Hierfür kannst du zusätzlichen Ruß oder eine fertige schwarze Tinte verwenden, um die Farbintensität zu erhöhen.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach und die Zubereitung erfordert lediglich ein Gefäß und eine Wärmequelle zum Kochen der Flüssigkeit sowie zum Erhitzen des Stempels.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch aus der Zeit um 1393. Es wurde von einem wohlhabenden Pariser Bürger für seine junge Frau verfasst und enthält neben Kochrezepten auch Anleitungen für Haushaltsführung, Gartenbau und andere praktische Fertigkeiten.
Diese Flüssigkeit diente dazu, Leinen dauerhaft zu markieren. Dies war wichtig, um Eigentum zu kennzeichnen, insbesondere in größeren Haushalten oder wenn Wäsche zum Waschen außer Haus gegeben wurde.
die schwarze Schmiere von den Enden der Wagenachse - rußig-fettiger Abrieb, hier als schwarze Pigmentquelle.
schwarzes Pigment bzw. Tintenstoff (verwandt mit lat. atramentum, schwarze Tinte) zur Verstärkung der Farbe.
Leinen markieren / kennzeichnen - wörtlich „Leinen bluten lassen", hier im Sinn von dauerhaft brandmarken.
Stempel oder Brandeisen, das erhitzt und in die Tinte getaucht aufs Leinen gedrückt wird.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
seigner linge
Gewählte Lesart: Leinen markieren / kennzeichnen - die Funktion der Flüssigkeit, Wäsche dauerhaft zu zeichnen.
Andere mögliche Lesart:
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