Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Willst du grüne Farbe machen, ein gutes Grün erzielen:
Nimm Tinte (Dimpten) und presse sie gut zusammen mit zerstoßenem Alaun durch. So hast du ein gutes Grün für Tuch oder Garn.
'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (von lat. tinctura, Farbstoff/Tinktion). In Handschriften findet sich das Wort auch als dimpte, dinte oder dintten. Gemeint ist hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün auf Textilien ergibt.
Dieses Rezept ist 'das Grün', auf das mha-156 (Braun aus Attich-Beeren) als bekanntes Verfahren verweist.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| dimpten | Dimpten (Tinte) | Mittelalterlicher Haushalt: vorbereitete Farblösung; heute: grüne Pflanzenfarbe oder Textilfarbe | - |
| gestossen Allaun | zerstoßener Alaun | Drogerie, Färberei-Bedarf, Online-Handel | - |
Welches Rezept ist das? Im Geiste ist das eine Färbeanleitung für Textilien: Farbstofflösung (Dimpten/Tinte) und zerstoßener Alaun werden zusammen vermischt, um Tuch oder Garn grün zu färben. Ein direkter handwerklicher Nachfahre ist die Naturfärberei mit Alaunbeize, wie sie bis heute im Textil-Kunsthandwerk praktiziert wird - das Grundprinzip Farbstoff plus Alaun-Mordant ist seit Jahrhunderten unverändert.
So gelingt es. Das Original nennt nur einen Arbeitsschritt: die Farbstofflösung wird mit zerstoßenem Alaun 'durcheinander gedrückt', also gründlich vermischt. Der Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) wirkt dabei als Beizmittel - er hilft, den Farbstoff auf der Faser zu fixieren, ein in der spätmittelalterlichen Textilfärberei gut belegtes Standardverfahren. Ein Hitzeschritt oder Kochen wird im Text nicht erwähnt.
Praxis. Zerstoßenen Alaun gründlich in die Farblösung einarbeiten, bis eine homogene Mischung entsteht, dann Tuch oder Garn darin tränken. Menge, Einwirkzeit und Spülvorgang nennt das Original nicht - hier ist man auf färberisches Erfahrungswissen angewiesen.
Ein Übersetzungsfehler. 'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (lat. tinctura), in Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Das Wort bezeichnet eine Farbstofflösung - keine Pflanze. Das Rezept ist also ein einfacher Fixierschritt: Farblösung plus Alaun ergibt ein gutes Grün für Textilien.
Alle drei bilden eine Gruppe von Haushalts-Färberezepten: Grün (mha-155, Tinte + Alaun), Braun (mha-156, Attich-Beeren), Blau (mha-157, Attich-Blätter + Indigo + Alaun). mha-156 verweist ausdrücklich auf 'das Grün' - also auf dieses Rezept.
Frühneuhochdeutsche Form von Tinte, von lateinisch tinctura (Farbstoff, Färbung). In Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün ergibt.
Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) als Beize (Mordant): fixiert Farbstoff auf der Faser und verbessert Farbechtheit, gut belegtes Standardverfahren der spätmittelalterlichen Textilfärberei. Hier direkt mit der Farblösung vermischt.
'Für Tuch oder Garn' - eindeutig Textilfärbung. Das Original lässt keinen Zweifel am Verwendungszweck.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
dimpten
Gewählte Lesart: Tinte - frühneuhochdeutsche Form von tinctura (Farbstofflösung). Keine Pflanze.
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