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Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

SonstigesEinfach
20 Min.Farbbad für eine kleine Menge Tuch oder GarnKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Original - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun - Originalseite aus Kochbuch des Meisters Hans
Fol. 059r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)

Transkription - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

wiltu grun farb machen

Item wiltu grun farb machen wiltu guote grun machen So nymm dimpten vnd truck sy durch einannder mit gestossen Allaun . So hastu guote grun zue tuoch oder zue garen .

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

Lagerküche-Tipp: Kein Speiserezept.

Willst du grüne Farbe machen, ein gutes Grün erzielen:

Nimm Tinte (Dimpten - eine vorbereitete grüne Farblösung) und presse sie gut zusammen mit zerstoßenem Alaun durch. So hast du ein gutes Grün für Tuch oder Garn.

'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (von lat. tinctura, Farbstoff/Tinktion). In Handschriften findet sich das Wort auch als dimpte, dinte oder dintten. Gemeint ist hier keine Schreibtinte, sondern eine vorbereitete grüne Farbstofflösung, die mit Alaun als Beize auf Textilien fixiert wird.

Dieses Rezept ist 'das Grün', auf das mha-156 (Braun aus Attich-Beeren) als bekanntes Verfahren verweist.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
dimpten Dimpten (Tinte) Mittelalterlicher Haushalt: vorbereitete Farblösung; heute: grüne Pflanzenfarbe oder Textilfarbe -
gestossen Allaun zerstoßener Alaun Apotheke, Drogerie, Färberei-Bedarf -

Anmerkungen

dimpten

Frühneuhochdeutsche Form von Tinte, von lateinisch tinctura (Farbstoff, Färbung). In Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Hier keine Schreibtinte, sondern eine vorbereitete grüne Farbstofflösung (Tinktion). Das Rezept setzt eine fertige Farblösung voraus und beschreibt nur den Fixierschritt mit Alaun.

gestossen Allaun

Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) als Beize (Mordant): fixiert die Farbstoffmoleküle auf der Faser und verbessert Farbechtheit. Hier direkt mit der Farblösung vermischt.

zue tuoch oder zue garen

'Für Tuch oder Garn' - eindeutig Textilfärbung. Das Original lässt keinen Zweifel am Verwendungszweck.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

dimpten

Gewählte Lesart: Tinte - frühneuhochdeutsche Form von tinctura (Farbstofflösung). Keine Pflanze, sondern eine vorbereitete grüne Farblösung.

Häufige Fragen

Was ist 'Dimpten' - warum stand das bisher als unbekannte Pflanze?

Ein Übersetzungsfehler. 'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (lat. tinctura), in Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Das Wort bezeichnet eine vorbereitete Farbstofflösung - keine Pflanze. Das Rezept ist also ein einfacher Fixierschritt: fertige grüne Farblösung + Alaun = grüne Textilfarbe.

Wie verhält sich dieses Rezept zu mha-156 (Braun) und mha-157 (Blau)?

Alle drei bilden eine Gruppe von Haushalts-Färberezepten: Grün (mha-155, Tinte + Alaun), Braun (mha-156, Attich-Beeren), Blau (mha-157, Attich-Blätter + Indigo + Alaun). mha-156 verweist ausdrücklich auf 'das Grün' - also auf dieses Rezept.

Was hat ein Färberezept in einem Kochbuch zu suchen?

Meister Hans' Kochbuch von 1460 ist ein Haushaltsbuch mit gemischten Inhalten. Die Rezepte mha-155 bis mha-158 bilden eine kompakte Gruppe von Haushalts-Anleitungen neben den Kochrezepten.

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