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Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

RezeptSonstigesEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.PortionenFarbbad für eine kleine Menge Tuch oder GarnBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Willst du grüne Farbe machen, ein gutes Grün erzielen:

Nimm Tinte (Dimpten) und presse sie gut zusammen mit zerstoßenem Alaun durch. So hast du ein gutes Grün für Tuch oder Garn.

'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (von lat. tinctura, Farbstoff/Tinktion). In Handschriften findet sich das Wort auch als dimpte, dinte oder dintten. Gemeint ist hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün auf Textilien ergibt.

Dieses Rezept ist 'das Grün', auf das mha-156 (Braun aus Attich-Beeren) als bekanntes Verfahren verweist.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
dimpten Dimpten (Tinte) Mittelalterlicher Haushalt: vorbereitete Farblösung; heute: grüne Pflanzenfarbe oder Textilfarbe -
gestossen Allaun zerstoßener Alaun Drogerie, Färberei-Bedarf, Online-Handel -

Welches Rezept ist das? Im Geiste ist das eine Färbeanleitung für Textilien: Farbstofflösung (Dimpten/Tinte) und zerstoßener Alaun werden zusammen vermischt, um Tuch oder Garn grün zu färben. Ein direkter handwerklicher Nachfahre ist die Naturfärberei mit Alaunbeize, wie sie bis heute im Textil-Kunsthandwerk praktiziert wird - das Grundprinzip Farbstoff plus Alaun-Mordant ist seit Jahrhunderten unverändert.

So gelingt es. Das Original nennt nur einen Arbeitsschritt: die Farbstofflösung wird mit zerstoßenem Alaun 'durcheinander gedrückt', also gründlich vermischt. Der Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) wirkt dabei als Beizmittel - er hilft, den Farbstoff auf der Faser zu fixieren, ein in der spätmittelalterlichen Textilfärberei gut belegtes Standardverfahren. Ein Hitzeschritt oder Kochen wird im Text nicht erwähnt.

Praxis. Zerstoßenen Alaun gründlich in die Farblösung einarbeiten, bis eine homogene Mischung entsteht, dann Tuch oder Garn darin tränken. Menge, Einwirkzeit und Spülvorgang nennt das Original nicht - hier ist man auf färberisches Erfahrungswissen angewiesen.

Was ist 'Dimpten' - warum stand das bisher als unbekannte Pflanze?

Ein Übersetzungsfehler. 'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (lat. tinctura), in Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Das Wort bezeichnet eine Farbstofflösung - keine Pflanze. Das Rezept ist also ein einfacher Fixierschritt: Farblösung plus Alaun ergibt ein gutes Grün für Textilien.

Wie verhält sich dieses Rezept zu mha-156 (Braun) und mha-157 (Blau)?

Alle drei bilden eine Gruppe von Haushalts-Färberezepten: Grün (mha-155, Tinte + Alaun), Braun (mha-156, Attich-Beeren), Blau (mha-157, Attich-Blätter + Indigo + Alaun). mha-156 verweist ausdrücklich auf 'das Grün' - also auf dieses Rezept.

Was hat ein Färberezept in einem Kochbuch zu suchen?

Meister Hans' Kochbuch von 1460 ist ein Haushaltsbuch mit gemischten Inhalten. Die Rezepte mha-155 bis mha-158 bilden eine kompakte Gruppe von Haushalts-Anleitungen neben den Kochrezepten.

Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun – Originalseite aus Kochbuch des Meisters Hans
Fol. 059r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
wiltu grun farb machen Item wiltu grun farb machen wiltu guote grun machen So nymm dimpten vnd truck sy durch einannder mit gestossen Allaun . So hastu guote grun zue tuoch oder zue garen .
dimpten

Frühneuhochdeutsche Form von Tinte, von lateinisch tinctura (Farbstoff, Färbung). In Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün ergibt.

gestossen Allaun

Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) als Beize (Mordant): fixiert Farbstoff auf der Faser und verbessert Farbechtheit, gut belegtes Standardverfahren der spätmittelalterlichen Textilfärberei. Hier direkt mit der Farblösung vermischt.

zue tuoch oder zue garen

'Für Tuch oder Garn' - eindeutig Textilfärbung. Das Original lässt keinen Zweifel am Verwendungszweck.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 059r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdimpten

Gewählte Lesart: Tinte - frühneuhochdeutsche Form von tinctura (Farbstofflösung). Keine Pflanze.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 059r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Speiserezept - eine Textil-Färbeanleitung. Im Lager allenfalls als handwerkliche Vorführung am Färbestand interessant, nicht für die Küche.
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