Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Willst du ein gutes Braun machen, mach es so:
Nimm Attichbeeren (Zwerg-Holunder) und mische sie recht durcheinander - genauso wie beim Grün.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| attich per | Attichbeeren (Zwerg-Holunder) | - | Wald (Hochsommer bis Herbst) | Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) - ungiftig, ergibt helleres Violett-Blau |
Mittelalterliche Handschriften und Kochbücher enthielten regelmäßig gemischte Inhalte: Kochrezepte, Heilmittel, Haushaltspraktiken und Färbeanleitungen standen nebeneinander, weil sie denselben Haushalt betrafen. Meister Hans hat auch andere Handwerksrezepte aufgenommen - direkt neben diesem Braun-Rezept stehen ein Grün- und ein Blau-Färberezept.
Attichbeeren liefern Violett-Braun bis Dunkelbraun; nach mittelalterlicher Wahrnehmung als 'Braun' bezeichnet. Der genaue Ton hängt von der Beize ab - das Rezept selbst nennt aber keine Beize für dieses Verfahren und setzt nur die aus dem Grün-Rezept bekannte Technik voraus.
Ja - alle Pflanzenteile des Zwerg-Holunders (Sambucus ebulus) enthalten das Gift Sambunigrin und sind roh giftig. Beim Umgang mit den zerdrückten Beeren ist Vorsicht geboten, etwa durch Handschuhe.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Braun als Färbeergebnis, nicht als Gericht. Attich-Beeren liefern je nach Beize (Mordant) unterschiedliche Farbtöne: mit Alaun violett-braun, mit Eisensulfat dunkelgrau bis fast schwarz. 'Braun' ist hier die mittelalterliche Wahrnehmung des dunkelvioletten Tons auf Wolle oder Leinen.
Querverweis auf das unmittelbar vorausgehende Grün-Färberezept bei Meister Hans (Rezept 155): dort wird eine Tinktur mit zerstoßenem Alaun zerdrückt und durchgepresst. Die Technik ist identisch - Farbstoffträger zerreiben und durchmischen, ggf. mit Alaun. Nur die Pflanze und die Zielfarbe wechseln.
Beeren des Zwerg-Holunders (Sambucus ebulus). Klassische mittelalterliche Färbepflanze: Wurzeln geben Gelb, Blätter Grün, Beeren Violett-Braun bis Schwarz. Alle Pflanzenteile sind roh giftig (Sambunigrin).
Zerreiben und gründlich durchmischen - Standardformulierung für das Aufschließen von Pflanzenmaterial zur Farbstoffgewinnung. Andere Rezepte im selben Farbrezept-Trio (155, 157) verwenden abweichende Verfahrenswörter ('truck ... durch', 'reib') - die drei Anleitungen sind sprachlich nicht identisch, auch wenn die Technik verwandt ist.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| attich per | dwarf elder Q158515 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
praun machen
Gewählte Lesart: Textilfärben in Braun - Herstellung eines braunen Farbbads aus Attichbeeren für Wolle oder Leinen.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Querverweis auf das Grün-Färberezept mha-155 im selben Buch - gleiche Technik, andere Pflanze.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 04.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.