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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Brauner Textilfarbstoff aus Attichbeeren

Moderne Übersetzung

Willst du ein gutes Braun machen, mach es so:

Nimm Attichbeeren (Zwerg-Holunder) und mische sie recht durcheinander - genauso wie beim Grün.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
attich per Attichbeeren (Zwerg-Holunder) - Wald (Hochsommer bis Herbst) Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) - ungiftig, ergibt helleres Violett-Blau

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Dies ist kein Kochrezept, sondern eine Anleitung zum Färben von Textilien. Es beschreibt, wie man aus den Beeren des Attichs (Zwerg-Holunder, Sambucus ebulus) einen braunen Farbstoff gewinnt. Eine lebende Verwandtschaft im kulinarischen Sinne gibt es nicht - die bis heute geübte Praxis, die diesem Rezept am nächsten steht, ist die Naturfärberei mit Beeren, Wurzeln und Blättern, wie sie in der textilhistorischen Reenactment-Szene fortlebt.

Was der Text wirklich sagt. Der Originaltext ist denkbar knapp: Attichbeeren nehmen und "recht durcheinandermischen", genauso wie beim Grün-Rezept (dem unmittelbar vorausgehenden Nachbareintrag). Das ist alles - keine Mengen, keine Zeiten, kein Wasser, kein Kochen, kein Absieben, keine Beize wird im Text genannt. Auch das als Vorbild zitierte Grün-Rezept kennt kein Wasserbad: Dort wird eine bereits vorhandene Tinktur mit zerstoßenem Alaun zerdrückt und durchgepresst. Wer daraus ein vollständiges Kochfärbeverfahren mit Sud, Absieben und Simmern ableitet, geht über den Wortlaut hinaus.

Praxis. Naheliegend nach dem Vorbild des Grün-Rezepts: die Attichbeeren zerdrücken und mit zerstoßenem Alaun durchmischen; das Gemisch dient als Farbbeize für Wolle oder Leinen. Alaun wirkt dabei als Fixiermittel (Mordant), das den Farbstoff auf der Faser haften lässt - diese Funktion ist aus der Analogie zum Grün-Rezept plausibel, im Text von 156 selbst aber nicht ausgesprochen. Alle Pflanzenteile des Attichs sind roh giftig (Sambunigrin); beim Umgang mit den zerdrückten Beeren ist Vorsicht geboten.

fyndling.de/rezepte/mha-156/