Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Willst du gutes Leder machen, so verfahre wie folgt: Nimm zu einem Fell drei Lot Alaun und ebenso viel Salz. Nimm dann klares Wasser in ein kleines Häflein oder eine Pfanne, gib Alaun und Salz hinein und lass es zergehen. Gib ein wenig Schmalz oder Öl hinzu und gieße es in eine Schüssel.
Nimm dann drei oder vier Eigelb, verquirle sie und rühre sie unter die Mischung. Stoße das Fell hinein und drücke es oft wieder heraus. Danach nimm die zuvor beschriebene Beize und gib ein wenig Mehl hinein. Wenn du das Fell rein und sauber daraus gewunden hast, so gib es in die Beize und lass es zwei Tage oder zwei Nächte darin beizen.
Danach nimm die Felle heraus, ziehe sie mitsamt der Beize ab und hänge sie an eine Stange zum Trocknen. Ziehe sie danach durch einen Teig.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ainem vell | 1 Fell | Metzger, Gerber | - |
| drew lot allawn | 45 g Alaun | Drogerie, Online-Gewürzhandel | - |
| als vil salcz | 45 g Salz | - | - |
| ain lautter wasser | Wasser | Leitung | - |
| ein wenig schmalcz oder ain wenig oll | Schmalz oder Öl | - | - |
| drej ayr totter oder vier | 3-4 Eigelb | - | - |
| ein wenig mel | Mehl | - | - |
Welches Gericht ist das? Dies ist kein Gericht, sondern eine detaillierte Anleitung zum Gerben von Leder mittels Alaun- und Salzbeize - einer der ältesten belegten Gerbmethoden, die ein weiches, helles Leder (Weißleder) ergibt, ohne es zu verhärten. Es ist ein Beispiel für die handwerklichen Inhalte in mittelalterlichen Kochbüchern; lebende Verwandtschaft findet sich nicht in der Küche, sondern im Handwerk: Alaungerbung wird bis heute von Hobby- und Spezialgerbern als milde, nicht-chromhaltige Methode für Felle und Pelze praktiziert.
Die Beize. Alaun und Salz werden in klarem Wasser gelöst, dazu kommt ein wenig Schmalz oder Öl und verquirltes Eigelb. Das Fell wird in diese Mischung getaucht und immer wieder ausgedrückt, damit die Flüssigkeit gut eindringt. Im zweiten Schritt wird etwas Mehl zur Beize gegeben - der Text erklärt nicht, wozu genau, vermutlich verbessert es die Konsistenz oder die Haftung der Beize am Fell. Das Fell verbleibt danach zwei Tage und Nächte darin.
Praxis. Nach dem Beizen wird das Fell herausgenommen, abgezogen und zum Trocknen aufgehängt. Der letzte Schritt ist das Ziehen durch einen ‚Teig‘ - wahrscheinlich eine mechanische Bearbeitung, um die getrocknete Haut zu lockern und geschmeidig zu halten, wie sie unter dem Begriff „Stollen“ in der historischen Lederherstellung belegt ist; die genaue Funktion bleibt im Original vage. Wichtiger Hinweis: Das Gerben von Tierhäuten ist ein Prozess mit Chemikalien (Alaun) und erfordert Fachwissen sowie entsprechende Schutzausrüstung. Dieses historische Rezept dient der Dokumentation und ist nicht als Anleitung zum Nachmachen ohne professionelle Anleitung und Sicherheitsvorkehrungen gedacht.
Nein, dieses Rezept ist keine Speise, sondern eine Anleitung zum Gerben von Leder. Die benötigten Chemikalien und der langwierige Prozess sind für die Lagerküche ungeeignet.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Kochbuch des Meisters Hans', das um 1460 in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst wurde. Es ist ein Beispiel dafür, dass mittelalterliche Kochbücher oft auch Anleitungen für andere Bereiche des Haushalts und Handwerks enthielten.
Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. In diesem Kontext entspricht ein Lot etwa 15 Gramm. Drei Lot Alaun und Salz sind also etwa 45 Gramm.
Der Text erklärt die Funktion nicht im Detail. Vermutlich soll das Eigelb die Haut rückfetten und geschmeidig halten, während das Mehl die Beize möglicherweise andickt. Beides ist eine naheliegende Vermutung, aber im Original nicht ausdrücklich begründet.
Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. Hier wird ein süddeutsches Lot von etwa 15 g angenommen.
Alaun ist ein Doppelsalz, meist Kaliumaluminiumsulfat, das seit der Antike zum Gerben von Leder, als Beizmittel beim Färben und in der Medizin verwendet wird. Es macht das Leder weich und geschmeidig.
Ein kleines Häflein oder Topf.
Die Beize, eine Flüssigkeit, die zum Gerben oder zur Vorbehandlung von Materialien verwendet wird.
Hier ist ein Teig aus Mehl und Wasser gemeint, durch den das Leder gezogen wird, um es weiter zu glätten und zu konditionieren. Der genaue Zweck bleibt im Text selbst unterspezifiziert.
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