Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Ayrmuosz - einfaches Eier-Bratmus in Schmalz
Moderne Übersetzung
Ein gebratenes Mus nur aus Eiern und ebenso viel Schmalz, und Salz, dass es nicht zu heiß sei. Gib es in eine Pfanne und brate es - so wird ein gebratenes Mus.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ayren | 4 Eier | - | - |
| schmalcz | 2 EL Schweineschmalz | Metzger | Butterschmalz oder Pflanzenöl (für vegetarische Variante) |
| salcz | Salz | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist ein ‚Muosz‘? Bei Meister Hans ist ‚muosz‘ ein flexibler Sammelbegriff: meist eine breiartige Speise, aber - wie hier mit der ‚gepratten muosz‘-Spezifizierung - auch eine in der Pfanne gebratene Eierspeise. Praktisch entspricht das Rezept einer dicken Omelette oder einem Rührei mit Schmalz: einige verquirlte Eier in heißem Schmalz gebraten, am Ende vorsichtig gesalzen.
Zu ‚das es nicht zue haisz sey‘: Der Satz ist sprachlich mehrdeutig (im Originaltext steht klar ‚haisz‘ = ‚heiß‘, nicht ‚salzig‘). Drei plausible Lesarten:
Pfannen-Temperatur: Salz erst zugeben, wenn das Schmalz nicht (mehr) zu heiß ist. Sprachlich am direktesten - die kulinarische Begründung dafür ist allerdings umgekehrt: Nicht das Salz selbst lässt heißes Fett spritzen (trockenes Salz enthält kaum Feuchtigkeit, die schlagartig verdampfen könnte); im Gegenteil ist frühes Salzen ein bekannter Küchentrick GEGEN Spritzer, weil das Salz Feuchtigkeit aus dem Ei bindet, bevor sie unkontrolliert im heißen Fett verdampft. Als reine Temperatur-Anweisung (nicht zu scharf anbraten, damit nichts verbrennt) bleibt die Lesart trotzdem plausibel. Humoralpathologie ‚heiß‘ = scharf/würzig-intensiv: in der mittelalterlichen Geschmacks-Skala steht ‚heiß‘ für scharf/würzig - also: nicht überwürzen. ‚nicht zu salzig‘ (figürliche Übertragung von ‚heiß‘ auf den Geschmack auf der Zunge): pragmatisch nachvollziehbar, sprachlich aber der schwächste Fit.
In der Praxis laufen alle drei Lesarten auf dieselbe Anweisung hinaus: maßvoll salzen, kontrolliert braten.
Mengen: ‚als vil schmalcz‘ heißt nicht 1:1-Volumen wie Eier - das wäre Fett-Tsunami. Im damaligen Sprachgebrauch eher ‚ausreichend viel Schmalz‘ = großzügig, sodass die Pfanne gut bedeckt ist. Modern: 1-2 EL Schmalz auf 4 Eier reicht.
Rührei oder Spiegelei? Das Rezept lässt es offen, aber die schlichte Anweisung ‚thue es In ain pfannen vnd pratt es‘ deutet auf eine verquirlte/vermischte Masse hin (Rührei oder Omelett-artig). Hätte der Schreiber Spiegeleier gemeint - also Eier ganz aufgeschlagen, Eigelb intakt -, wäre das wahrscheinlich explizit benannt worden (etwa ‚schlag sie ganz hinein‘).
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-016/
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