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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Lachsrücken mit Essig-Gewürzsauce

Moderne Übersetzung

Brate den Lachs auf diese Weise. Ebenso verfahre mit dem Rücken vom Lachs: Tue ihn auch so und brate ihn. Das andere Stück Lachs dagegen sott in Wasser und Essig gar.

Für die Sauce nimm Roggenbrotrinde und Roggenbrot und weiche beides in Essig ein. Nimm Ingwer, mehr als Pfeffer, dazu ein wenig gemahlenen Kümmel. Menge dies mit dem eingeweichten Brot und lass es mit Essig aufwallen, bis eine gleichmäßig dickliche Sauce entsteht. Gib diese Sauce zum Fisch.

Dieses Würzmittel kann man zu allerlei Fischen und auch zu Wildbret essen.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
rugken lachs Lachsrücken Fischhändler Zucht-Lachsfilet vom Fischhändler, wenn kein ganzer Rücken erhältlich ist
essigk / essich Essig - -
wasser Wasser Leitung -
rinden Roggenbrotrinde - Rinde von einem Roggenbrot aus der Bäckerei
rugkein prot Roggenbrot - -
ymber Ingwer (mehr als Pfeffer) - -
pfeffer Pfeffer - -
kumich mel etwas gemahlener Kümmel - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein zweigeteiltes Lachsgericht: Der Lachs wird zunächst allgemein gebraten, dann eigens auch der Rücken/Loin-Schnitt ebenso gebraten, während das übrige Stück stattdessen in Essigwasser gegart wird. Dazu kommt eine dickliche, roggenbrotgebundene Essig-Ingwer-Kümmel-Sauce, die der Text ausdrücklich als Universal-Condiment für allerlei Fisch und Wildbret vorstellt. Lebende Verwandtschaft: die dunklen, brotgebundenen Essig-Gewürzsaucen ('Schwarzsauer'), die bis heute zu Wildbret gereicht werden, sowie die Essig-Gartechnik, wie sie in Rollmops und Bückling fortlebt.

Die Satzstellung der Quelle ist zweiteilig: Zuerst wird der Lachs allgemein gebraten, danach führt ein eigener ('Item'-)Satz den Rücken/Loin-Schnitt ein und ordnet ihm dieselbe Röst-Anweisung zu wie zuvor dem Lachs insgesamt. Erst ein dritter Teil beschreibt das übrige Stück, das in Wasser und Essig gesotten wird statt gebraten.

Praxis. Für den Bratteil nennt der Text kein genaues Verfahren (Pfanne, Spieß, mit oder ohne Fett) - das dürfte an anderer Stelle des Kochbuchs beschrieben und hier vorausgesetzt worden sein. Für die Sauce: Roggenbrotrinde und Roggenbrot in Essig einweichen, mit reichlich Ingwer (mehr als Pfeffer) und wenig gemahlenem Kümmel vermengen und unter erneuter Essig-Zugabe kurz aufwallen lassen, bis sie durch die Brotstärke gleichmäßig dicklich bindet - ganz ohne die erst später aufgekommene Mehlschwitze. Mengenangaben für Brot, Essig und Fisch fehlen im Original vollständig; das ist bei diesem Rezepttyp üblich und keine Sicherheitsfrage.

fyndling.de/rezepte/mha-058/