Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Hasenwurst aus Lunge, Leber und Blut
Moderne Übersetzung
Nimm die Lunge und die Leber vom Hasen für die Wurst und schneide beides würfelig.
Fange das Blut auf, gib Pfeffer dazu und siede die Würfel darin.
Fülle die Masse in den Darm, schneide die fertige Wurst in Stücke, brate sie danach und serviere sie trocken, also ohne Sauce.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| die lungel | Hasenlunge | - | Metzger, Wildhändler (Vorbestellung nötig) | Kaninchenlunge vom Metzger, falls Hase nicht erhältlich |
| die leberen | Haseleber | - | Metzger, Wildhändler (Vorbestellung nötig) | Kaninchenleber vom Metzger |
| den schwais | Hasenblut | - | Metzger, Wildhändler (nur beim Schlachten frisch erhältlich) | Schweineblut vom Metzger als Ersatz |
| pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
| den darmm | Darm, als Wursthülle | - | Metzger (Naturdarm) | Kunstdarm aus dem Wursterei-Bedarf |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Eine Blutwurst aus Wildinnereien: Hasenlunge und -leber werden gewürfelt, mit aufgefangenem Hasenblut und Pfeffer gesiedet, in Naturdarm gefüllt und danach gebraten. Strukturell ist das Verfahren identisch mit der Herstellung heutiger Blutwurst (deutsche Blutwurst, britischer Black Pudding, französischer Boudin noir) - nur mit Wildinnereien statt Schweinefleisch als Basis. Dieselbe Bindetechnik über Blut, das beim Erhitzen gerinnt, findet sich im selben Corpus auch bei Huhn und Kalb - am Hof war das offenbar eine über mehrere Tierarten hinweg standardisierte Methode, keine hasenspezifische Erfindung.
Der Satz „die lungel vnd die leberen vnd die wurst von dem hasen" liest sich auf den ersten Blick wie drei Zutaten. Naheliegendste Lesart: der Rezepttitel wird mitten im Satz wiederholt, um den Zweck von Lunge und Leber zu nennen. Ein Vergleich mit drei eng verwandten Rezepten, die dieselben Grundzutaten zu einem Ragout statt zu einer Wurst verarbeiten, zeigt jedoch an genau derselben Satzstelle jeweils ein drittes, seltenes Organ-Wort - ein Hinweis darauf, dass „wurst" hier auch eine Verschreibung dieses dritten Organs sein könnte. Ob Zweck-Wiederholung oder Verschreibung, bleibt ungeklärt (siehe interpretive_choices).
Praxis. Lunge und Leber in kleine, gleichmäßige Würfel schneiden. Das aufgefangene Blut mit Pfeffer würzen und die Innerei-Würfel darin sieden, bis Blut und Würfel vollständig durchgegart und fest geronnen sind - der Text nennt dafür keine Zeit, aus Lebensmittelsicherheitsgründen bei rohem Wildblut und Innereien aber empfehlenswert. Die gebundene Masse in gereinigten Naturdarm füllen, die fertige Wurst in Stücke schneiden und danach braten; serviert wird sie trocken, ohne Sauce. Das Rezept nennt kein zusätzliches Bindemittel wie Brot oder Ei - die Bindung kommt allein vom Blutgerinnsel um die grob gewürfelten, nicht zerkleinerten Innerei-Stücke. Das Ergebnis ist daher eher eine stückig-krümelige Füllung als eine glatt aufschneidbare moderne Wurst, und das Stopfen dieser Masse in Naturdarm braucht etwas Übung, weil feste Würfel den Darm ungleichmäßig füllen und ihn leichter reißen lassen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-124/
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