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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Wie man Steine weich macht

Moderne Übersetzung

Willst du einen Stein weich machen, so nimm altes Brunnenwasser und Bocksblut und siede das alles miteinander. Gib Liebstöckel dazu und lege die Steine hinein. So werden sie weich.

Zutaten

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
alltes pruncz wasser Altes Brunnenwasser - Leitung -
pocks pluot Bocksblut - Metzger (auf Anfrage, kein Standardprodukt) -
lubsteck Liebstöckel - - -
die stain Steine (z. B. Edelsteine) - - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Kein Speiserezept, sondern eine handwerklich-alchemistische Werkstattanleitung: Ziegenbocksblut, altes Wasser und Liebstöckel werden zusammen gesotten, die Steine hineingelegt, damit sie weich und bearbeitbar werden sollen. Eine kulinarische Nachfahrenlinie gibt es nicht - verwandt ist der Eintrag nicht mit einem Gericht, sondern mit einer Textgattung: mittelalterliche Kochbücher sammelten neben Speiserezepten routinemäßig auch Haushalts- und Werkstattwissen (Fleckenentfernung, Tintenherstellung, Saatgutbeizen wie in mha-110). Dahinter steht eine antike Sage: Plinius der Ältere und Solinus überliefern, heißes Bocksblut mache selbst den Diamanten weich, eine Vorstellung, die bis ins Spätmittelalter in Lapidarien und Bestiarien weiterlebte.

„pruncz wasser“ bleibt uneindeutig: CoreMA liest die Stelle als „Brunnenwasser“ (altes, abgestandenes Wasser aus dem Dorfbrunnen). Paläographisch ist ebenso „Pruntzwasser“ (alter Urin) lesbar, ein in Handwerks- und Alchemierezepten der Zeit gängiges Lösungsmittel; Diefenbach belegt „pruntz“ als Variante zu „harm“ (Urin). Beide Lesarten sind ernstzunehmen, keine lässt sich aus dem Text allein entscheiden.

„pocks pluot“ ist wörtlich eindeutig Bocksblut - beide Wortbestandteile sind unstrittig. Offen bleibt trotzdem, wie genau die Sage stofflich gemeint war: CoreMA führt die Sachglosse als ungeklärt, was auf Unsicherheit bei der exakten Zuordnung hindeuten kann, auch wenn der Wortlaut selbst nichts anderes als Ziegenbocksblut hergibt.

Praxis. Wer die Anleitung wörtlich nachstellen will: altes Wasser und Bocksblut gemeinsam aufkochen, Liebstöckel dazugeben, die Steine ins siedende Bad legen. Einen Effekt auf die Härte der Steine hat das nicht - überliefert ist eine antike Naturkunde-Sage, kein funktionierender Handwerksvorgang.

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