Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Heidelbeer-Bündel für roten Wein
Moderne Übersetzung
Willst du ein Bündlein machen, um den Wein rötlich zu färben: Nimm Heidelbeeren.
Wenn das Brot aus dem Ofen kommt, lege die Heidelbeeren in eine Mulde und schiebe sie in den Ofen. Lass sie dort einen Tag und eine Nacht liegen.
Nimm sie danach wieder heraus. Nimm ein kleines Tuch und fülle so viele Beeren hinein, wie ein Ei groß ist. Verbinde das Tuch gut und mach so viele Bündlein, wie du willst, je nachdem wie viele Beeren du hast.
Lege die Bündlein dann in den Wein. So hast du roten Wein.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| haidper | Heidelbeeren | - | - | - |
| wein | Wein | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine Färbetechnik für Wein: getrocknete Heidelbeeren werden in kleine Tuchbündel gebunden und wie ein Aufgussbeutel in den Wein gelegt, bis er sich rötlich tönt. Die nächste lebendige Verwandtschaft ist das Teebeutel-Prinzip - hier zweckentfremdet für Wein statt Tee und für Farbe statt Aroma.
Praxis. Die Heidelbeeren kommen nach dem Brotbacken in eine Mulde und werden in den Ofen geschoben, wo sie einen Tag und eine Nacht liegen bleiben - die auskühlende Restwärme reicht zum schonenden Trocknen, ein eigenes Feuer braucht es dafür nicht. Anschließend werden eigroße Portionen der getrockneten Beeren in kleine Tücher gebunden; das Tuch wirkt wie ein Aufgussbeutel, hält die Fruchtreste zurück und lässt nur den Farbstoff in den Wein ziehen. Wie viele Bündel man bindet, richtet sich allein danach, wie viele Beeren vorhanden sind - das Original nennt weder eine Weinmenge noch eine Ziehzeit, hier hilft nur Ausprobieren und ein Blick auf die Farbtiefe. Für die Marktküche eignet sich vor allem der zweite Teil: das Binden der Tüchlein und das sichtbare Einfärben des Weins lässt sich gut vor Publikum zeigen, während das Trocknen der Beeren zu Hause vorbereitet werden muss.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-233/
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