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Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))

Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)

Gebratene Äsche mit Salbei

Moderne Übersetzung

Willst du eine Äsche zubereiten, so nimm die Äsche und würze sie nicht, sondern schneide sie auf der Arbeitsplatte auf und schlitze ihr den Bauch auf, um die Eingeweide zu entfernen. Dann stoße ganze Salbeiblätter und Salz in den Fisch. Besprenge ihn außen mit Salz und lege ihn auf einen Rost. Brate ihn gut.

Ebenso kannst du es auch mit Forelle, Aal und Brachsen tun.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
aschen 1 Äsche gut sortierter Fischhändler, Angler Forelle, Saibling
saluan pletter Salbeiblätter - -
salcz Salz - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein ganzer, am Rost über der Glut gegrillter Süßwasserfisch, innen mit Salbei und Salz gefüllt und außen gesalzen - der direkte Vorfahr des bairisch-österreichischen Steckerlfischs und jeder modernen gefüllten Grillforelle. Statt der heute üblichen Petersilie, Zitrone oder Dill kommt hier Salbei in die Bauchhöhle; dieselbe Salbei-Salz-Fülltechnik zeigt im selben Buch der Aal (mon-042). Weil das Rezept ausdrücklich auch für Forelle, Aal und Brachsen gilt, ist es weniger ein Einzelrezept als ein Grundverfahren für Grillfisch.

Warum außen nicht würzen? Der erste Schritt ist ein bewusster Verzicht: außen wird nicht gewürzt (stupp sy nicht). Der Grund steckt in der Grilltechnik. Der Fisch kommt ungeschuppt mit Haut auf den Rost, wo sie als Schutzhülle das feine Fleisch vor der direkten Glut bewahrt - dabei verkohlt sie und wird vor dem Essen abgezogen und weggeworfen. Teures Pulvergewürz auf diese Opferhaut zu stäuben wäre Verschwendung; gewürzt wird darum nur innen, in der Bauchhöhle, wo Salbei und Salz direkt ans Fleisch kommen. Das Salz außen (bespreng in mit salcz awssen) ist kein Widerspruch dazu: es soll nicht würzen, sondern der Haut Wasser entziehen, damit sie auf dem Rost fester wird und nicht anklebt.

Praxis. Eine Äsche (ersatzweise Forelle oder Saibling) ausnehmen und den Bauch aufschneiden. Einige ganze Salbeiblätter mit etwas Salz in die Bauchhöhle geben - ganze Blätter, keine gehackten, damit sie in der Trockenhitze nicht sofort verkohlen und sich hinterher leicht entfernen lassen. Dann die Haut außen ringsum salzen; das Salz zieht oberflächlich Wasser und macht die Haut beim Grillen fester und krosser. Den Fisch auf einen Rost über gut durchgeglühter Holzkohle legen (nicht in die Flamme) und von beiden Seiten in wenigen Minuten garen, bis die Haut fest ist und sich das Fleisch löst. Das Original nennt kein Fett - ein ganzer magerer Fisch klebt auf heißem Metall aber leicht fest und reißt beim Wenden ein; deshalb den Rost (oder die Haut) leicht einfetten und den Fisch nicht zu früh wenden. Kein Mehl, keine Bindung, keine Sauce - die ungeschuppte Haut ist die natürliche Garhülle: Nach dem Grillen zieht man die verkohlte Haut ab und isst das darunter saftig gebliebene Fleisch. (Dass die Haut abgezogen wird, sagt das knappe Rezept nicht ausdrücklich - es folgt aber zwingend daraus, dass außen nicht gewürzt und der Fisch nicht geschuppt wird.)

fyndling.de/rezepte/mon-040/