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Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))

Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)

Hausen geruchsneutral zubereiten

Moderne Übersetzung

Wenn du Hausen zubereiten willst, damit er nicht unangenehm riecht, dann nimm Asche und siebe sie fein durch ein Sieb.

Mache daraus anschließend in Wasser eine Art dicke Lauge und lege den Hausen hinein und lasse ihn sieden. Nimm ihn dann heraus und wasche ihn sehr sauber.

Bereite ihn danach zu, wie du ihn haben möchtest; so wird er gut und riecht niemals mehr unangenehm.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
aschen Asche - -
ain sib ein Sieb - -
ein wasser Wasser Leitung -
hawssen Hausen (Stör) gut sortierter Fischhändler, Online-Handel (Zuchtstör) Welsfilet oder anderer fester, großer Fisch

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine reine Vorbehandlungstechnik für stark riechenden Fisch - hier Hausen (Stör). Als großer, bodennah lebender Süßwasserfisch entwickelt der Hausen, besonders in älteren, fettreichen Exemplaren, häufig einen ausgeprägten Schlamm- und Trangeruch im Fettgewebe - ein bei Bodenfischen bekanntes Problem, das die Vorbehandlung nötig machte. Ihr lebender Verwandter ist die heute übliche Praxis, Rochen, Hai oder Stör vor der Zubereitung in Milch, Zitronen- oder Essigwasser einzulegen, um den Ammoniak-/Trimethylamin-Geruch zu binden. Das Mondseer Rezept geht chemisch den umgekehrten Weg: statt einer Säure setzt es eine alkalische Aschelauge ein.

Wie stark diese Lauge den Geruch tatsächlich chemisch neutralisiert, ist fraglich, da Fischgeruchsstoffe selbst basisch sind - eine zusätzliche Lauge müsste sie eher verstärken als binden. Plausibler ist eine mechanisch-reinigende Wirkung: Die Lauge löst Fett-, Schleim- und Blutreste von Haut und Fleisch, die beim anschließenden gründlichen Waschen mit entfernt werden. Der Geruchseffekt käme dann vom Entfernen dieser Rückstände, nicht von einer echten chemischen Bindung der Geruchsmoleküle.

Praxis. Feine Holzasche (am Lagerfeuer reichlich vorhanden) durch ein Sieb geben, um Grobpartikel zu entfernen, dann in Wasser einrühren, bis eine dicke, milchig-trübe Lauge entsteht. Den Fisch darin kurz sieden lassen, danach herausnehmen und sehr sorgfältig unter fließendem Wasser abwaschen, damit keine Laugenreste zurückbleiben, die sonst bitter-seifig schmecken würden. Erst danach nach Belieben weiter zubereiten - das Rezept lässt die eigentliche Garmethode offen.

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