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Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))

Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)

Blancmanger von Huhn

Moderne Übersetzung

Wollt ihr einen Blancmanger von alten Hühnern zubereiten, so nehmt zwei alte Hennen. Siedet sie, bis sie zart werden.

Nehmt 250 g Mandeln, stoßt sie und passiert sie mit der Hühnerbrühe. Reinigt 125 g Reis gründlich, siedet ihn und passiert ihn durch ein Tuch.

Nehmt das Fleisch von der Hühnerbrust, hackt es klein. Gebt das gehackte Fleisch und den Reis in die Mandelmilch, vermischt das gut und lasst es auf dem Herd sieden.

Gebt 500 g Schweineschmalz hinzu und rührt es kräftig, sobald es zu sieden und dick zu werden beginnt. Dann gebt 125 g Zucker und weiteres Schweineschmalz hinein und rührt es wieder kräftig. Lasst es so lange gut sieden, bis es das Schmalz wieder abgibt.

Dann ist das Gericht bereit. Richtet es mit einem festen Löffel an und streicht es glatt. Legt die Hennen obenauf.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
czwo alt henn 2 Hennen Metzger, Wochenmarkt Junge Hähnchen (kürzere Garzeit)
1/2 talentum mandel 250 g Mandeln Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Blender zermahlen
henn prue Hühnerbrühe - -
ain vierdung reibs 125 g Reis Supermarkt -
ain p tail Smalcz 500 g Schweineschmalz (ca., Mengenangabe unsicher) Supermarkt, Metzger Butterschmalz (nicht fastentauglich), Pflanzenöl (vegan/fastentauglich)
ain vierdung czucker 125 g Zucker Supermarkt Honig
sweinens smalcz Schweineschmalz (zusätzlich) Supermarkt, Metzger Butterschmalz (nicht fastentauglich), Pflanzenöl (vegan/fastentauglich)

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein Blancmanger von Huhn - einer der europaweit verbreitetsten Prunkgänge der gehobenen mittelalterlichen Küche: gesottenes, fein zerkleinertes Hühnerfleisch in gesüßter Mandelmilch, mit Reis gebunden und mit Schmalz kräftig eingerührt. Anders als das heutige französische blancmange, das zum reinen Mandelmilch-Dessert ohne Fleisch wurde, lebt die ursprüngliche Idee - fein zerkleinertes Hühnerfleisch in gesüßter, gebundener Milch - bis heute im türkischen tavuk göğsü fort, einem Nachtisch aus zerzupfter Hühnerbrust, Milch, Reis und Zucker.

Die Anweisung „bis es das Schmalz wieder abgibt“ ist kein Konservierungsverfahren, sondern ein Gar- und Bindungstest: Sobald sich das Fett sichtbar von der eingedickten Masse trennt und obenauf austritt, ist die Masse fertig gebunden - der Text springt danach unmittelbar zum Anrichten, ohne Lagerungs- oder Abkühlschritt.

Die Schmalzmenge selbst ist eine Näherung: Sie stützt sich auf die Lesart „p“ = „phunt“ (Pfund), eine Abkürzung, die im übrigen Mondsee-Korpus sonst nirgends belegt ist. Praktisch bedeutet das: reichlich Schmalz, ungefähr ein Pfund, nicht exakt 500 g.

Praxis. Zwei ältere Hennen (oder ersatzweise Suppenhühner) in Wasser weich sieden, die Brühe aufheben. 250 g gemahlene Mandeln mit der heißen Brühe zu Mandelmilch verrühren und durch ein Tuch passieren. 125 g Reis gründlich verlesen, weich kochen und ebenfalls passieren. Das Brustfleisch der Hennen fein hacken, mit dem Reis in die Mandelmilch geben und aufkochen lassen. Sobald die Masse zu sieden und einzudicken beginnt, das Schmalz in zwei Portionen einrühren - dabei ständig und kräftig rühren, damit die zunehmend dicke, zucker- und fettreiche Masse am Topfboden nicht ansetzt. Tritt sichtbares Fett aus der gebundenen Masse aus, ist das Gericht fertig: mit einem festen Löffel anrichten, glattstreichen und die Hennen(-teile) obenauf legen - am einfachsten mit der ausgehöhlten Brustseite nach unten, sodass von oben der intakte Rücken zu sehen bleibt und das Bild des ganzen Vogels erhalten bleibt.

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