Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))
Wurmschutz für Pflanzensaatgut
Moderne Übersetzung
Nimm Mangold und siede ihn gründlich durch. Lass danach dasselbe Sudwasser abkühlen. Besprenge den Pflanzensamen damit, sodass er gut durchtränkt ist. Säe ihn dann ein. So können die Würmer die aus diesem Samen wachsende Pflanze nicht fressen.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| piessen ckraut | Mangold | - | - |
| wasser | Wasser | Leitung | - |
| phlanczen sam | Pflanzensamen | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Kein Speiserezept, sondern eine Garten-Anleitung: Saatgut wird vor der Aussaat in abgekühltem Mangold-Sud besprengt, um die daraus wachsende Pflanze angeblich vor Wurmfraß zu schützen. Eine strukturell verwandte Praxis lebt bis heute in der Garten- und Permakultur-Tradition fort, etwa beim Besprengen von Saatgut mit abgekühlten Pflanzenjauchen und -aufgüssen (Brennnessel-, Beinwell- oder Knoblauchsud) vor der Aussaat - dieselbe volkstümliche Logik, nur mit anderer Pflanze.
Praxis. Mangold wird gründlich in Wasser durchgekocht, danach lässt man den Sud vollständig abkühlen, denn kochend heißes Wasser würde den Keimling im Samen schädigen. Erst dann wird der Same mit dem abgekühlten Sud besprengt (nicht eingelegt), bis er gut durchtränkt ist - Besprengen statt Eintauchen vermeidet, dass der Same in stehender Flüssigkeit erstickt oder fault. Direkt danach wird ausgesät, eine Trocknungspause ist nicht vorgesehen. Ob der Mangold-Sud tatsächlich Würmer fernhält, bleibt eine unbelegte Behauptung des Rezepts selbst; die Abfolge Kochen - Abkühlen - Besprengen - Säen ist aber handwerklich in sich stimmig.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mon-251/
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