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Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))

Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 2. Hälfte 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)

Gebratene Milch vom Spieß

Moderne Übersetzung

Nimm Milch und Eier zu gleichen Teilen und schlage sie kräftig miteinander, bis sie sich gut vermengt haben. Gib Safran hinein und fülle die Mischung in einen kleinen Topf.

Stelle diesen Topf in einen größeren Kessel mit siedendem Wasser, so dass kein Wasser in den kleinen Topf laufen kann. Lass die Mischung im Wasserbad sieden, bis sie fest geworden ist.

Schütte sie dann auf ein weißes Tuch und beschwere sie darin, damit das Wasser herausgepresst wird. So wird es hart wie ein Käse.

Schneide sie danach in Stücke, stecke diese auf einen Spieß und brate sie über einem Rost. Bestreue sie mit Gewürz und begieße sie mit Schmalz. So gib sie zu essen.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
milich Milch - -
air Eier - -
saffrann Safran Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel -
wasßr Wasser (für das Wasserbad) Leitung -
geburcz Gewürz - -
spalcz Schmalz - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Eine Ei-Milch-Mischung wird im Wasserbad zu einem festen Gerinnsel gegart, im Tuch ausgepresst bis hart wie Käse, dann in Stücke geschnitten, aufgespießt, über der Glut gebraten, gewürzt und mit Schmalz begossen. Das ist kein echter Käse - kein Lab, keine Fermentation -, sondern ein hitzegeronnenes Ei-Milch-Gel, das zum Käse-Imitat verarbeitet und wie ein Fleischstück am Spieß behandelt wird. Mehrere Handschriften überliefern nahezu wortgleich denselben Rezepttyp, kein Einzelfall also, sondern ein etablierter spätmittelalterlicher Küchentrick. Die Verwandtschaft zu heutigen Grillkäse-Spießen (Halloumi, Paneer Tikka, gegrillter Feta) ist rein technisch: dasselbe Prinzip, ein Milchprodukt so fest zu machen, dass es am Spieß nicht zerläuft, für dasselbe Problem, keine Abstammungslinie.

Der kleine Topf im Kessel. 'haffran', wenig später im Text 'haffen' genannt, meint einen kleinen Topf, der ins siedende Wasser eines größeren Kessels gestellt wird, ein frühes Wasserbad. Zwillingsrezepte bestätigen unabhängig dieselbe Zwei-Gefäß-Konstruktion mit derselben Anti-Überlauf-Formel (das Wasser darf nicht in den inneren Topf laufen). Diese sanfte, indirekte Hitze verhindert, dass die empfindliche Ei-Milch-Masse anbrennt oder klumpig statt gleichmäßig gerinnt.

Auspressen statt bloßem Abtropfen. Nach dem Gerinnen wird die Masse auf ein Tuch geschüttet und darin beschwert, damit das Wasser herausgepresst wird, erst dadurch wird sie zusätzlich hart wie Käse, eine Steigerung gegenüber dem vorherigen bloßen Gestocktsein. Zwillingsrezepte zeigen, wie das konkret aussieht: mit einem Brett und Steinen beschweren oder das Tuch auswinden. Wer die Masse anschließend kräftig auspresst, bekommt ein schnittfestes Ergebnis, das Aufspießen und Braten übersteht.

Praxis. Milch und Eier im Verhältnis 1:1 sind ungewöhnlich eiweißreich für einen Eierstich, genau dieser hohe Eianteil sorgt dafür, dass die Masse am Ende fest genug ist, um geschnitten, aufgespießt und über der Glut gebraten zu werden, ohne auseinanderzufallen. Nach dem Auspressen in eher kleine, kompakte Stücke schneiden und vorsichtig aufspießen, selbst nach dem Pressen bleibt die Masse zerbrechlicher als Halloumi oder gepresster Schnittkäse, also beim Wenden über der Glut behutsam vorgehen. Ein gewöhnlicher Rost aus Metall über der Glut funktioniert unbedenklich; ein Rost aus frischem Grünholz, wie ihn ein anderes Rezept derselben Zeit nennt, ist für dieses Rezept selbst nicht belegt und bleibt Geschmackssache.

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