Das Kochbuch der Maria Stenglerin (Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen)
Reisküchlein mit Mandeln
Moderne Übersetzung
Wenn du ein gutes Gebäck mit Reismehl und Mandeln zubereiten willst, so gib ein wenig Reis hinzu und lass ihn sieden, bis er weich wird. Gib dann so viele Mandeln dazu, wie Reis gewesen ist. Stoße alles untereinander, bis es fein wird.
Danach schlage ein oder zwei Eier hinein, gib dann so viel Reismehl hinzu, bis ein feiner Teig entsteht, wie man den Teig für Bauernküchlein zubereitet. Setze den Teig so in die Pfanne, und wenn er genug gebacken ist, so lege die Küchlein in eine Schüssel. Mache eine dünne Sauce darüber, wie du sie dann haben möchtest.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain wennig reyß | ein wenig Reis | - | - | - |
| ſouil mandel darann, Als vil des reyß geweſen iſt | so viele Mandeln, wie Reis | - | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen |
| ain ay oder zway | ein oder zwei Eier | 1 | - | - |
| reißmel / deſs andern | Reismehl | - | gut sortierter Supermarkt, Asialaden | - |
| priele | eine Priele-Sauce | - | - | Ersatzweise eine einfache süße Sauce nach Geschmack, wenn keine historische Nachstellung gewünscht ist |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Frittierte Reis-Mandel-Küchlein: gekochter Reis wird mit ebenso viel geriebenen Mandeln zerstoßen, mit ein bis zwei Eiern und Reismehl zu einem festen Teig gebunden - wie beim Teig für Bauernküchlein - und in der Pfanne gebacken. Die bis heute in Schwaben bekannten Reisküchle (aus gekochtem Reis, Ei und Mehl geformte, in der Pfanne gebackene Küchlein) folgen genau dieser Grundtechnik.
Womit wird der Teig gebunden? Die Formulierung „deſs andern“ verweist auf das im Titel genannte Reismehl: Nach Mandeln und Ei wird so lange Reismehl zugegeben, bis der Teig die Konsistenz von Bauernküchlein-Teig hat.
Was ist die „priele“ zum Schluss? Kein beliebiger Zusatz: Im selben Buch (vgl. das bereits reviewte Rezept „Petersilien-Würzsauce“) ist „priele“/„Brie“ mehrfach als Name einer mit gerösteter Weißbrotkrume gebundenen Würzsauce aus Petersilie, Safran, Pfeffer und Nelken belegt. Der Text hier zählt die Zutaten nicht erneut auf, sondern verweist mit „wie du dann ains wilt haben“ vermutlich auf eine dieser bekannten Varianten.
Praxis. Reis in Wasser weich kochen, mit derselben Menge geriebener Mandeln vermengen und fein zerstoßen (Mörser oder Blender). Ein bis zwei Eier einrühren, dann Reismehl einarbeiten, bis ein fester, formbarer Teig entsteht. Kleine Fladen in etwas Fett in der Pfanne goldbraun backen, auf eine Schüssel geben. Für die Sauce reicht eine einfache süße Sauce nach Geschmack; wer es näher am Buch mag, orientiert sich an der Petersilien-Würzsauce (geröstete Weißbrotkrume, Petersilie, Safran, Pfeffer, Nelken).
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mst-083/
fyndling.de/rezepte/mst-083/