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Das Kochbuch der Maria Stenglerin (Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen)

Augsburg, 1554 · Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Presssaft aus Hauswurz für wachsendes Haar

Moderne Übersetzung

Für das Haar, damit es wächst.

Nimm die Hauswurz, die man auch Haarwurz oder Grundwurz nennt. Diese Pflanzen stehen im Wasser. Presse sie aus und bürste das Haar damit. Es soll gut sein.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die hauſswurtz, ſo man nennt haarwurtz, oder gruͤndwurtz Hauswurz (oder Haarwurz, Grundwurz) - Wasserpflanzenhandel oder Gartenteich-Fachhandel (weiße oder gelbe Seerose); keine Wildsammlung an Gewässern ohne botanische Sachkenntnis -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das?

Kein Speiserezept, sondern ein äußerlich angewendetes Hausmittel: Der ausgepresste Saft einer Wasserpflanze wird ins Haar eingebürstet, um das Haarwachstum zu fördern. Die Praxis - ein pflanzlicher Auszug als Haarwasser, ins Haar eingerieben oder gebürstet - lebt in heutigen Kräuter-Haarwässern und -spülungen fort, auch wenn die konkrete Pflanze in der modernen Haarpflege kein gängiger Rohstoff mehr ist.

Presssaft, nicht Tinktur.

'prens auſs' heißt auspressen, nicht Ansetzen in Alkohol - eine Tinktur wäre ein alkoholischer Auszug, von dem im Text nichts steht. Gemeint ist mechanisches Auspressen der frischen Pflanze und direktes Aufbürsten des Safts.

Welche Pflanze?

Der Text nennt drei Namen für eine Pflanze, die ausdrücklich im Wasser steht - das schließt die heute unter 'Hauswurz' bekannte Fels-/Dachpflanze (Sempervivum tectorum) aus. Haarwurz und Grundwurz sind in mehreren historischen Wörterbüchern übereinstimmend als weiße oder gelbe Seerose (Nymphaea alba/lutea) belegt, was zur Wasser-Angabe passt.

Praxis.

Für den Presssaft eignet sich frisches Material aus dem Wasserpflanzenhandel oder vom eigenen Gartenteich - von einer Wildsammlung an Gewässern ist ohne botanische Sachkenntnis abzuraten, da Verwechslungsgefahr mit anderen, teils giftigen Wasserpflanzen besteht. Der Saft wird frisch gepresst und zeitnah verwendet; der Text nennt weder Menge noch Anwendungsdauer noch eine Haltbarmachung, sodass von einer einmaligen, unmittelbaren Anwendung auszugehen ist.

fyndling.de/rezepte/mst-096/