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Das Kochbuch der Maria Stenglerin (Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen)

Augsburg, 1554 · Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Veilchensirup herstellen

Moderne Übersetzung

Nimm die Blüten von den Veilchen und entferne sorgfältig alle grünen Teile davon. Gib die gereinigten Blütenblätter in ein Viertel Kännchen, sodass sie gut eingefüllt sind.

Fülle sie dann in einen Maßkrug und gieße eine Maß siedendes Wasser darüber. Lass die Mischung über Nacht stehen. Drücke sie danach gut aus und koche den Saft mit Zucker ein.

Wenn du meinst, der Saft sei genug gesotten, tauche eine Pfrieme hinein. Sobald der Saft gemächlich von der Pfrieme rinnt, nimm ihn vom Herd.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
plomen von den feichelen Veilchenblüten - Wiesen (saisonal, kostenlos), Online-Gewürz-/Kräuterhandel (getrocknet, ganzjährig) -
ain maß ſiedens waſſer 1 Liter siedendes Wasser 1 l Leitung -
zucker Zucker - - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das?

Ein eingekochter Veilchenblütensirup: Blüten werden über Nacht in heißem Wasser ausgezogen, ausgepresst und der Sud mit Zucker bis zur Sirupdicke eingekocht. Das ist dieselbe Grundtechnik wie beim historischen Veilchensirup der Apothekertradition und technisch nah am heute noch gebräuchlichen Holunderblütensirup.

Zuckermenge.

Der Text nennt keine Menge. Als Orientierung eignet sich in etwa gleich viel Zucker wie abgepresste Flüssigkeit, nach Geschmack angepasst - Zucker war im 16. Jahrhundert teuer, die tatsächlich verwendete Menge dürfte je nach Vorrat geschwankt haben.

Konsistenzprobe.

Historisch wird die Fertigkeit allein mit der Pfrieme geprüft: Tropft der Sirup langsam von ihr ab, ist er fertig. Wer lieber mit Thermometer arbeitet, kann sich zusätzlich am Faden-/Sirupstadium orientieren, das ungefähr bei 103 bis 105 Grad liegt.

Praxis.

Veilchenblüten pflücken, die grünen Kelch- und Stielteile entfernen (sie schmecken bitter und trüben die Farbe) und die reinen Blütenblätter fest in ein kleines Gefäß einpacken. Damit in ein größeres Gefäß umfüllen, mit kochendem Wasser übergießen und über Nacht ziehen lassen. Danach gut durchdrücken, den Sud mit Zucker aufkochen und einköcheln lassen, bis die Pfriemenprobe gelingt.

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