Das Kochbuch der Maria Stenglerin (Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen)
Gutes Augenpulver
Moderne Übersetzung
Nimm ein Lot Kampfer und zwei Lot Galmei, vermische beides miteinander und gib Schöllkrautwasser dazu. Zerstoße es gut, wie ein Mus. Reibe es dann gut auf einem Stein, so wie man Farben in ein Glas tut. Decke es gut zu, damit nichts hineinstiebt. Und wenn es hart wird, so reibe es wiederum aufs Allerkleinste.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain lot gaffer | Kampfer | 15 g | Apotheke, Drogerie (als Kampferpulver/-öl) | - |
| zway lot galmey | Galmei | 30 g | Apotheke, Online-Chemikalienhandel (Vorsicht: nicht für den Verzehr) | - |
| ſchelkrautwaſſer | Schöllkrautwasser | - | Apotheke, Online-Kräuterhandel (Vorsicht: giftig) | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Kein Kochrezept, sondern ein Augenpulver aus Kampfer, Galmei (Zinkcarbonat) und Schöllkrautwasser - ein historischer Vorläufer der bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlichen zink- und kampferhaltigen Augenmittel, die heute in dieser Form nicht mehr verwendet werden.
Technik. Kampfer und Galmei werden zunächst trocken vermischt, dann mit Schöllkrautwasser zu einem musartigen Brei verarbeitet. Anschließend wird die Masse auf einem Reibstein sehr fein verrieben - der Text vergleicht das ausdrücklich mit der Farbreiberei der Maler, die ihre Pigmente auf dieselbe Weise für feinste, staubfreie Farben bearbeiteten. Die feuchte Verreibung vor dem Trocknen verhindert, dass beim ersten Vermengen Staub aufgewirbelt wird, und ergibt eine gleichmäßigere Mischung als reines Trockenmahlen.
Praxis. Nach dem Trocknen wird der hart gewordene Kuchen ein zweites Mal, jetzt trocken, aufs Feinste zerrieben - erst dieser zweite Durchgang macht das Pulver augenverträglich frei von groben Partikeln. Ob die Masse dabei tatsächlich in ein Glasgefäß gefüllt wird oder der Vergleich mit der Farbreiberei nur bildlich gemeint ist, lässt der Text offen - zur Aufbewahrung empfiehlt sich ohnehin ein dicht schließendes Glas. Zum Nachkochen ungeeignet: Kampfer und Galmei sind keine Lebensmittel, Schöllkraut ist in höherer Dosierung giftig; das Rezept dokumentiert historische Handwerkstechnik, keine Anwendung für heute.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mst-116/
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