Das Kochbuch der Maria Stenglerin (Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen)
Eingemachte Ormalin (vermutlich Aprikosen)
Moderne Übersetzung
Nimm die Ormalin, schäle sie aufs dünnste und läutere einen Zucker. Gib ihn daran. Wenn die Ormalin sich ergeben hat, sodass der Zucker wässrig ist, sollst du auch mit den Weintrauben desgleichen tun.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| die Ormalin | Ormalin (vermutlich Aprikosen) | - | Wochenmarkt, Obstladen (Aprikosen) | Pfirsiche oder Pflaumen |
| ainen zucker | Zucker | - | - | - |
| den weintrauben | Weintrauben | - | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Eine dünn geschälte, namentlich nicht mehr bestimmbare Frucht (‚Ormalin‘) und Weintrauben werden in geläutertem Zucker angesetzt, bis sie Saft ziehen und der Sirup wässrig wird - die Vorstufe einer Frucht-in-Zucker-Konserve, wie sie im heutigen Ansetzen von Obst vor dem Einwecken fortlebt. Von kandierter Frucht unterscheidet sich das, weil der Text vor einem Eindick- oder Trocknungsschritt abbricht.
Wie lange muss die Frucht ziehen?
Der Text nennt keine Zeitspanne, nur dass Frucht und Trauben ‚sich ergeben‘ haben müssen, bis der Zucker wässrig wird - ein osmotischer Vorgang, für den mehrere Stunden bis über Nacht realistisch sind. Ein kürzerer, wärmeunterstützter Ansatz ist nicht ausgeschlossen, lässt sich am Wortlaut aber nicht festmachen.
Werden die Weintrauben auch geschält?
Der Text sagt nur, man solle mit den Weintrauben ‚desgleichen tun‘ - ob das Schälen einschließt, bleibt offen. Für die Praxis spricht vieles dafür, die Trauben ungeschält in den Sirup zu geben; einzelnes Schälen von Weintrauben wäre ungewöhnlich aufwendig.
Praxis.
Die Frucht dünn schälen und in Stücke schneiden. Zucker mit wenig Wasser aufkochen und abschäumen, bis der Sirup klar ist. Die Frucht - und getrennt davon die ungeschälten Weintrauben - in den warmen Sirup geben und zugedeckt mehrere Stunden bis über Nacht ziehen lassen, bis sichtbar Saft ausgetreten und der Sirup dünnflüssiger geworden ist. Danach wie ein Kompott weiterverwenden oder einkochen, um es haltbar zu machen - das Rezept selbst beschreibt nur bis zu diesem Punkt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mst-122/
fyndling.de/rezepte/mst-122/