Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a
Hühner nach Wunschfarbe
Moderne Übersetzung
Willst du gefärbte Hühner machen, wie du willst, so nimm ein Ei und bestreiche es gut mit Leinöl. Lass es gut an der Sonne trocknen. Dann streiche welche Farbe du willst auf das Ei und lass es wieder trocknen. Lege das Ei unter eine Henne, damit sie es mit anderen Eiern ausbrütet. So wird das Huhn dann nach der Farbe gestaltet.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| eyn ey | Ei | 1 | - | - |
| leyn oel | Leinöl | - | Supermarkt, Reformhaus | - |
| waze varbe du wilt | Farbe (nach Wahl) | - | Bastelladen, Künstlerbedarf | Lebensmittelfarbe für einen essbaren, aber wirkungslosen Trick |
Zubereitungshinweis
Was wird hier gemacht?
Ein Ei wird mit Leinöl bestrichen und an der Sonne getrocknet, dann mit einer beliebigen Farbe bemalt, erneut getrocknet und einer brütenden Henne zu den übrigen Eiern untergelegt - in der Erwartung, das schlüpfende Küken trage die aufgemalte Farbe.
Funktioniert das?
Nein. Die Schalenfarbe eines Eis wird bereits im Legedarm der Henne festgelegt und hat keine Verbindung zur genetisch bestimmten Gefiederfarbe des Embryos; eine nachträgliche Bemalung ändert daran nichts. Die dichte Ölschicht birgt sogar ein zusätzliches Risiko: Eierschalen sind porös, und der Embryo atmet durch diese Poren - eine Versiegelung, wie sie historisch zur Konservierung von Speiseeiern diente, kann bei einem echten Brutei den Gasaustausch behindern. Dokumentiert als mittelalterlicher Volksglaube über die vermeintliche äußere Beeinflussung eines Bruteis, nicht als Anleitung zum Nachahmen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/n2-003/
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