Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a
Riesenei so groß wie ein Kopf
Moderne Übersetzung
Willst du ein Ei so groß machen wie ein Haupt oder eine „bozekawle“, so nimm zwanzig oder dreißig Eier und schlage das Eiweiß von den Eiern getrennt und die Dotter auch getrennt. Nimm dann eine Blase und gieße zuerst das Eiweiß hinein, danach die Dotter. Binde dann die Blase gut zu und lege sie in einen Topf, der voll siedenden Wassers sei, bei einem Feuer. Achte darauf, dass das Wasser über die Blase gehe und decke den Topf gut zu, damit kein Brodem herausgehe, und lass es so sieden.
Danach nimm die Blase heraus und ziehe sie ab. Schneide dann das Ei auf, so ist der Dotter in die Mitte gekommen und um und um das Weiße, denn der Dotter flieht die Hitze und hält sich in der Mitte. So hast du ein gutes Ei. Danach aber oben ein wenig Eiweiß, doch dass die Blase nicht ganz voll sei, sonst zerreißt sie.
Auch magst du die Dotter zuvor ein wenig zerdrücken und hänge sie einen Tag in eine andere Blase, dass sie sich koagulieren, und gib sie dann in die Blase zum Eiweiß, wie oben beschrieben. Willst du dann dem Ei eine Schale machen, so zerstoße die Eierschalen und temperiere sie mit Öl und mit Kreide und bestreiche außen die Blase damit.
Auch wenn das Ei zuerst ein wenig erhitzt wird, so stich mit einem Griffel oder einer Nadel hinein, dass der Brodem ausgehe und dass sie nicht reiße.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| czwenczik ader dreissik eyer | 20-30 Eier | 20 | - | - |
| eyne bloze | Tierische Blase | - | Metzger, Online-Spezialhandel | - |
| wasser | Wasser | - | - | - |
| oele | Öl | - | - | - |
| kreyden | Kreide | - | Bastelbedarf, Apotheke | - |
| eyerschalen | Eierschalen | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was wird hier gemacht? Eiweiß und Dotter von zwanzig bis dreißig Eiern werden getrennt in eine Tierblase gegossen - erst das Weiße, dann der Dotter - und die verschlossene Blase in siedendem Wasser gegart, bis der Dotter angeblich mittig sitzt. Eine zweite, im Text genannte Variante lässt den Dotter vorab einen Tag lang in einer eigenen Blase antrocknen, bevor er in die Weiß-Blase kommt. Zum Schluss wird die Blase mit einer Paste aus zerstoßenen Eierschalen, Öl und Kreide bestrichen, um eine echte Schale vorzutäuschen.
Funktioniert das? Nur teilweise. Bloßes Schichten von Weiß und rohem Dotter ohne Rühren zentriert den Dotter nicht zuverlässig - beide haben ähnliche Dichte, und die Hitze stockt eher die äußere Schicht zuerst, unabhängig davon, was dort liegt. Die zweite, im Text genannte Methode funktioniert dagegen: ein vorab fest angegorener Dotterball, mittig in flüssiges Weiß gegeben, ergibt beim Garen tatsächlich einen zentrierten Kern.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/n2-015/
fyndling.de/rezepte/n2-015/