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Das Kochbuch der Philippine Welser

Augsburg / Tirol, 1543-44 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-augsburgisch, Nachträge mit tirolisch-bairischen Zügen, Mitte 16. Jh.)

Nonnenfürzchen

Moderne Übersetzung

Willst du Nonnenfürzchen backen, so setze den Teig mit nur Eiern an, mache ihn sehr fest und rolle ihn gut aus.

Und mache lange Striezel und schneide sie ein, einen Finger lang und ungefähr gleich an beiden Enden. Danach backe sie in Schmalz, nicht zu heiß, ganz langsam.

So spalten sie schön auf, sie sehen aus wie ein Gericht, wie die Eierbrezeln. Gib dazu Zucker in den Teig.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
dayg Teig - - -
eydel ayren Eier - - -
schmaltz Schmalz - Metzger, gut sortierter Supermarkt Pflanzenöl oder Butterschmalz
zucker jn dayg Zucker (optional) - - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das?

Ein straff gebundener, reiner Eierteig wird dünn ausgerollt, zu fingerlangen Strängen geschnitten und langsam in Schmalz gebacken, bis er aufplatzt - der Text selbst vergleicht das Ergebnis mit Eierbrezeln, gezuckert serviert. Das ist Schmalzgebäck aus der deutschen Fastnachts-/Schmalzgebäck-Tradition (vgl. Mutzenmandeln, Strauben, Kiechle); über den wahrscheinlichen Namen „Nonnenfürzchen" (siehe editors_note) reiht es sich zusätzlich in die europaweit belegte scherzhafte Gebäcktradition der pets de nonne ein. Ein eng verwandtes Rezept aus dem zeitgleichen Wolfenbütteler Kunst- und Arzneibuch („Kaiserliche Striezel backen") beschreibt dieselbe Technik: Teig mit dem Messer in heißes Schmalz schneiden, bis die Stränge aufplatzen.

Der Teig und seine Form.

Der Teig wird laut Text ausschließlich mit Eiern angesetzt, ohne Wasser, und so fest wie möglich gearbeitet - ein bewusst sehr fester Teig, der sich dünn auswellen und sauber schneiden lässt. Ob die geschnittenen Stücke als einfache Streifen oder als gedrehte Stränge geformt wurden, sagt der Text nicht ausdrücklich: Dieselbe Wortfamilie wird an anderen Stellen des Buchs und im genannten Vergleichsrezept einheitlich als „Striezel" (gedrehte, gerollte Teigstränge) gelesen, hier wird deshalb ebenso übersetzt. Auch die genaue Schnittführung an den Enden der Stränge bleibt unklar - der Text sagt nur, dass geschnitten wird, nicht wie genau (siehe die zugehörige interpretive_choice).

Praxis.

Mehl mit ganzen Eiern zu einem sehr straffen Teig verarbeiten, gut durchkneten, etwa 10 bis 15 Minuten ruhen lassen und dünn auswellen. In fingerlange, an beiden Enden etwa gleich breite Stränge schneiden. Das Fett nicht zu heiß werden lassen (etwa 160 bis 170 °C) und die Stränge darin langsam ausbacken, bis sie aufplatzen - zu heißes Fett bräunt die Oberfläche, bevor der Teig durchgaren und aufreißen kann. Mit Zucker bestreut servieren.

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