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Das Kochbuch der Philippine Welser

Augsburg / Tirol, 1543-44 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-augsburgisch, Nachträge mit tirolisch-bairischen Zügen, Mitte 16. Jh.)

Gelbes Reismus

Moderne Übersetzung

Nimm Reis und koche ihn gut in Mandelmilch.

Treibe ihn danach durch ein Tuch und gib Zucker hinzu, sodass es gut süß ist. Färbe es gut gelb und gib es wieder in einen Topf. Lass es sieden und rühre oft um, damit es nicht anbrennt.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ain reys Reis - - -
ainer mandel milich Mandelmilch - Supermarkt -
ain zucker Zucker - - Honig
gilbs Safran (zum Färben) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein gelb gefärbtes, mit Mandelmilch gekochtes Reismus - nach dem Kochen durch ein Tuch getrieben, damit keine ganzen Körner mehr übrig bleiben, sondern eine glatte Masse. Heute erinnert das an gefärbten Milchreis oder Reispudding; eine entfernte Verwandtschaft besteht auch zu safrangelben Reisspeisen anderer Küchentraditionen, ohne dass hier eine direkte Linie behauptet wird.

Das Rezept nennt selbst nicht, womit gefärbt wird, nur „gilbs wol“ - „färbe es gut gelb“. Im eng verwandten Kochbuch der Maria Stenglerin (Augsburg 1554) steht an genau der gleichen Stelle im Ablauf ausdrücklich „saffren“, direkt neben dem Zucker. Das stützt die Lesart Safran als Farbmittel, ohne dass es im eigenen Text von phw-154 belegt wäre.

Praxis. Reis in Mandelmilch weich kochen und anschließend durch ein feines Tuch streichen, bis eine glatte Masse ohne ganze Körner entsteht. Mit Zucker süßen und mit Safran gelb färben, dann zurück in den Topf geben und unter häufigem Rühren einmal aufkochen lassen. Das Rühren ist kein Zufall: Eine passierte, stärkehaltige Masse setzt direkt über dem Feuer ohne Wasserbad sehr schnell am Topfboden an. Mengen und Garzeiten nennt die Quelle nicht - hier nach Augenmaß und Geschmack arbeiten.

fyndling.de/rezepte/phw-154/