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Gelbes Reismus

Das Kochbuch der Philippine Welser · Augsburg / Tirol · 1543

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Kochbuch der Philippine Welser (~1543)

Nimm Reis und koche ihn gut in Mandelmilch.

Treibe ihn danach durch ein Tuch und gib Zucker hinzu, sodass es gut süß ist. Färbe es gut gelb und gib es wieder in einen Topf. Lass es sieden und rühre oft um, damit es nicht anbrennt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ain reys Reis - - -
ainer mandel milich Mandelmilch - Supermarkt -
ain zucker Zucker - - Honig
gilbs Safran (zum Färben) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein gelb gefärbtes, mit Mandelmilch gekochtes Reismus - nach dem Kochen durch ein Tuch getrieben, damit keine ganzen Körner mehr übrig bleiben, sondern eine glatte Masse. Heute erinnert das an gefärbten Milchreis oder Reispudding; eine entfernte Verwandtschaft besteht auch zu safrangelben Reisspeisen anderer Küchentraditionen, ohne dass hier eine direkte Linie behauptet wird.

Das Rezept nennt selbst nicht, womit gefärbt wird, nur „gilbs wol“ - „färbe es gut gelb“. Im eng verwandten Kochbuch der Maria Stenglerin (Augsburg 1554) steht an genau der gleichen Stelle im Ablauf ausdrücklich „saffren“, direkt neben dem Zucker. Das stützt die Lesart Safran als Farbmittel, ohne dass es im eigenen Text von phw-154 belegt wäre.

Praxis. Reis in Mandelmilch weich kochen und anschließend durch ein feines Tuch streichen, bis eine glatte Masse ohne ganze Körner entsteht. Mit Zucker süßen und mit Safran gelb färben, dann zurück in den Topf geben und unter häufigem Rühren einmal aufkochen lassen. Das Rühren ist kein Zufall: Eine passierte, stärkehaltige Masse setzt direkt über dem Feuer ohne Wasserbad sehr schnell am Topfboden an. Mengen und Garzeiten nennt die Quelle nicht - hier nach Augenmaß und Geschmack arbeiten.

Was bedeutet „gilbs wol“ im Rezept?

Die Anweisung „gilbs wol“ bedeutet „färbe es gut gelb“. Im Mittelalter wurde dafür häufig Safran verwendet, um Speisen eine leuchtend gelbe Farbe zu verleihen, die auch als Statussymbol galt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Die Zubereitung erfolgt in einem Topf am Feuer und erfordert regelmäßiges Rühren, was gut im Lager umsetzbar ist.

Was ist ein „dauch“?

Ein „dauch“ ist ein Seihtuch oder Passiertuch, das zum Abseihen und Glattstreichen von Flüssigkeiten und Pürees verwendet wird. Es entspricht einem feinen Leinentuch oder einem modernen Passiertuch.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Philippine Welser“ (Augsburg / Tirol). Hausbuch aus dem Augsburger Welser-Patriziat, benannt nach Philippine Welser (1527-1580), der späteren Gemahlin Erzherzog Ferdinands II. Geschrieben haben es drei Hände; Gerold Hayer hält es für wahrscheinlich, dass die Mutter Anna Welser der heiratsfähigen Tochter ein Buch mit Familien- und Hausrezepten mitgeben wollte. Ein Datum trägt die Handschrift nicht, das Wasserzeichen weist nach Augsburg 1543/44. Mit nur 41 Fleischgerichten unter 245 Rezepten (Zählung Gerold Hayers) ist die Sammlung beinahe eine Spezialsammlung für Fastenspeisen - und das älteste der vier Augsburger Kochbücher dieses Bestands, neun Jahre vor Sabina Welserin.

ain gelb reys muß zu machenn so nim ain reys vnd seutz wol jn ainer mandel milich vnd dreyb es dar nach durch ain dauch vnd dau ain zucker dar an das wol syes sey gilbs wol dauß wider jn ain hafen las syedenn riers oft vm das nit an brin
hafen

Ein Topf oder Kochgefäß, im süddeutschen Raum auch als „Hafen“ bezeichnet.

dauch

Ein Seihtuch oder Passiertuch, das zum Abseihen und Glattstreichen von Flüssigkeiten und Pürees verwendet wird.

gilbs wol

Die Anweisung „färbe es gut gelb“ verlangt einen Farbstoff. Safran war im Mittelalter der gängigste und wertvollste gelbe Farbstoff für Speisen.

Handschrift
Das Kochbuch der Philippine Welser
Folio
Fol. 078r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-augsburgisch, Nachträge mit tirolisch-bairischen Zügen, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg / Tirol, 1543

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ain reysrice Q5090
ain zuckerunrefined cane sugar Q57656231
gilbssaffron Q25434

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdauch

Gewählte Lesart: Seihtuch. Die Anweisung „dreyb es dar nach durch ain dauch“ bedeutet, das Reismus durch ein Tuch zu passieren, um eine feine Konsistenz zu erhalten.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Verb im Sinne von „ziehen“ oder „bewegen“ - Die MHDBDB-Glosse für „diuhen“ als Verb passt nicht zur Präposition „durch“ und dem Objekt „ain dauch“, das hier ein Nomen sein muss.

Lesartgilbs wol

Gewählte Lesart: Färbe es gut gelb. Dies impliziert die Zugabe eines gelben Farbstoffs, am wahrscheinlichsten Safran, der im Mittelalter häufig für solche Zwecke verwendet wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • Es wird von Natur aus gelb - Reis und Mandelmilch ergeben keine intensive gelbe Farbe, daher ist die Zugabe eines Farbstoffs kulinarisch plausibler.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 078r - Digitale Rekonstruktion: Originalschriftbild aus der Faksimile-Ausgabe (Edition Leipzig 1983), übertragen auf einen Hintergrund, der dem Originaleinband entspricht. Handschrift: Schloß Ambras bei Innsbruck, PA 1473 (Kunsthistorisches Museum Wien)
Transkription
Eigene Segmentierung der Faksimile-Ausgabe Edition Leipzig 1983 (Transkription Gerold Hayer) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/phw-154
LagerkücheLagerküche
Gut geeignet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Die Zubereitung erfolgt in einem Topf am Feuer und erfordert regelmäßiges Rühren.
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Stand dieser Fassung: 25.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.