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BuchRyff: Confect oder Latwergen büchlin

Walther Hermann Ryff, Der Erste Theyl der kleynen Teütschen Apoteck, Confect oder Latwergen büchlins (Straßburg: Samuel Emmel 1562), Auswahl aus Teil I–III und V samt Konfekt-Anhang, Bl. 4r–90r · 1562 · Frühneuhochdeutsch (Straßburg 1562, alemannisch geprägter Druck) · Straßburg

Illustration zu Ryff: Confect oder Latwergen büchlin

Aus Ryffs Apothekenbuch die Stücke für Küche und Keller: Latwergen aus Quitten, Kirschen, Pflaumen, Johannisbeeren, Berberitzen, Maulbeeren, Holunder und Hagebutten, eingemachter Ingwer, grüne Walnüsse, Quitten, Weichseln, Birnen, Pfirsiche und Pomeranzen, süßsauer eingemachte rote Rüben und Mangold, Obst gedörrt und frisch über den Winter gebracht, Rosen-, Veilchen- und Rosmarinzucker, Ypocras, Claret und Lautertrank, Kräuter- und Beerenweine, zwei Marzipane und der Met nach dem Brauch in Riga, Reval und Polen.

BuchÜber dieses Buch - Was der Apotheker kann, kann auch das Haus

Walther Hermann Ryff wurde um 1500 geboren, vielleicht in Straßburg, und starb am 29. September 1548 in Würzburg. Er nannte sich Medicus oder Chirurgus, ein studierter Arzt war er aber wohl nicht. Einige Biographen lassen ihn als Apotheker in Güstrow beginnen. Danach arbeitete er in Mainz, Straßburg, Frankfurt, Nürnberg und zuletzt Würzburg. Er schrieb und übersetzte in rascher Folge über Arznei und Wundarznei, über das Destillieren, über Frauenheilkunde, und er übertrug Vitruv ins Deutsche. Zeitgenossen wie Leonhart Fuchs und Andreas Vesal warfen ihm vor, er schreibe ab. Der Chirurgiehistoriker Ernst Gurlt bestätigte das 1898, nannte ihn aber einen geschickten Kompilator.

Der Band, aus dem wir lesen, erschien 1562 bei Samuel Emmel in Straßburg, vierzehn Jahre nach Ryffs Tod: Der Erste Theyl der kleynen Teütschen Apoteck, Confect oder Latwergen büchlins. Schon 1544 hatte Ryff in Frankfurt ein „Confect Büchlin und Hausz Apoteck“ herausgebracht. Wie viel vom Straßburger Text auf diesem älteren Buch beruht, haben wir nicht verglichen. Das Buch erklärt, wie Apotheker ihre Latwergen, ihr Eingemachtes, ihre Blütenzucker und Würzweine machen, damit man es zu Hause selbst kann. Auf jedes Verfahren folgt die Natur der Frucht und eine lange Liste ihrer Heilkräfte.

Fünfzig Einträge aus einem Apothekenbuch. Wir zeigen nicht das ganze Buch, sondern was in Küche und Keller gehört. Aus den Teilen I bis III und V samt dem Konfekt-Anhang haben wir alle 101 Verfahren gelesen und 50 übernommen. Das sind Latwergen aus Quitten, Kirschen, Pflaumen, Johannisbeeren, Berberitzen, Maulbeeren, Holunder und Hagebutten. Dazu kommt Eingemachtes, von grünem Ingwer und grünen Walnüssen bis zu süßsauren Roten Rüben, sowie Obst, das gedörrt oder frisch über den Winter gebracht wird. Außerdem Rosen-, Veilchen- und Rosmarinzucker, Ypocras, Claret und Lautertrank, Kräuter- und Beerenweine, zwei Marzipane und ein Met. Draußen bleiben die reinen Arzneien: Abführmittel, Hustenlatwergen, Kräuterweine gegen bestimmte Leiden, die Sirupe, Wässer, Seifen und Räucherwerk.

Zwischen Schleck und Arznei. Ryff selbst zieht die Grenze nicht scharf. Die Roten Rüben werden, schreibt er, „von den weybern eingemacht/ mehꝛ zů einem ſchleck/ dann zů der artzney“. Ypocras ist für ihn ein Morgentrank aus den Apotheken, und den Claret unterscheidet nur, dass er „von honig gemacht/ vnd der Ypocras von zucker“. Das Marzipan, „krafftbꝛot oder Marzapan“, sei mit der ganzen Apotheke von den Welschen ins Land gekommen. Den Met schließlich kennt er aus Riga und Reval in Livland und aus Polen, wo der Wein fehlt. Er hält ihn für gesünder als die gewürzten Weine davor, und er sagt, wie man ihn kocht, bis er klebrig wird, und im Fass gären lässt, „dann er girt wie wein“. Wirsung 1568 und Rasch um 1580 bringen fast denselben Met. Wir zählen die drei deshalb als einen Textzweig, nicht als drei unabhängige Zeugen.

Wie wir den Text lesen

Den Fraktursatz haben wir selbst am Digitalisat abgeschrieben, Kapitel für Kapitel, und zweifelhafte Stellen am Seitenbild nachgeprüft. Die Schreibung bleibt die des Drucks: langes ſ, rundes ꝛ, Nasalstriche wie in „vñ“ und „nim̃“, die Schrägstriche. Viele Kapitel verweisen nur auf ein früheres („wie oben geſagt iſt“); solche Verweise lassen wir stehen und ergänzen die Schritte nicht.

Wir übersetzen ins heutige Deutsch und lassen Ryffs Maße stehen: Maß, Pfund, Lot, Quintlein, Vierling und Ohm. „Kütten“ sind Quitten, „Saurouch“ ist die Berberitze, „Latwerge“ ein eingedicktes Fruchtmus, das in „Zuckerlädlin“, kleine Schachteln, gegossen wird. Was Ryff über die Wirkung sagt, übersetzen wir vollständig, verstehen es aber nicht als Gesundheitsrat. Abführende Zusätze wie Diagridium oder Cassia sind Apothekenmittel und gehören in keine Speise; das steht jeweils beim Eintrag.

Lizenz und Hinweise

Werk (1562): gemeinfrei. Seitenbilder: Getty Research Institute über das Internet Archive (gri_33125014522268; der Datensatz ist pauschal auf 1559 datiert, weil der Band einen zweiten Teil von 1559 enthält). Titelbild nach dem Holzschnitt „Hofapotheker“ aus Ryffs Confect Büchlin vnd Hausz Apoteck (Frankfurt: Egenolff 1544, Wikimedia Commons, gemeinfrei), also aus einem älteren Buch, nicht aus unserem Band von 1562. Transkription, Übersetzung und Kommentar: fyndling.de (CC BY-SA 4.0).

- Die Fyndling-Redaktion

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