Zum RezeptSkip to recipe
Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Birnen in Wein über das Jahr halten

Walther Hermann Ryff, Der Erste Theyl der kleynen Teütschen Apoteck, Confect oder Latwergen büchlins (Straßburg: Samuel Emmel 1562), Auswahl aus Teil I–III und V samt Konfekt-Anhang, Bl. 4r–90r · Straßburg · 1562

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRyff: Confect oder Latwergen büchlin (~1562)

Die Birnen werden bei uns gewöhnlich auch auf eine andere Art über das Jahr aufbewahrt: Man pflückt sie, wie oben gesagt, gut reif und bewahrt sie einen Monat lang auf.

Danach legt man sie ordentlich in einen steinernen Krug, gießt guten, klaren Wein darüber und beschwert sie gut, damit sie nicht nach oben schwimmen. So werden sie über das Jahr für den Bedarf aufbewahrt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
byren Birnen - - -
gůten lautern wein guter, klarer Wein - - -
ein ſteinin krůg steinerner Krug - - -

Was ist das? Rohe, reife Birnen, die ohne Zucker und ohne Kochen unter Wein über das Jahr gehalten werden. Ryff nennt drei Schritte: gut reif pflücken, einen Monat aufbewahren, dann in einen steinernen Krug legen, mit Wein übergießen und beschweren.

Das Pflücken. „Wie gesagt“ verweist auf den Abschnitt unmittelbar davor, über die kleinen Muskatellerbirnen: Dort sollen die Früchte recht reif, an einem schönen, hellen Tag und mit der Hand gebrochen werden, „wie auch alles obs/ das man vber jar behalten will“, damit sie beim Abschütteln nicht zerfallen.

Der Monat. Die Birnen liegen einen Monat, bevor sie in den Krug kommen. Wozu dieser Monat dient, sagt Ryff nicht.

Wein und Gewicht. Verlangt ist guter, klarer Wein; Farbe oder Sorte nennt Ryff nicht, ebenso wenig eine Birnensorte. Das Beschweren hält die Früchte unter dem Wein. Womit, sagt er hier nicht; bei den Kirschen in Honig legt er ein Brettchen mit einem Stein darauf.

Praxis. Heutiger Rat, nicht Ryffs: nur Birnen ohne Druckstellen nehmen, den Krug abdecken und darauf achten, dass keine Frucht über den Wein ragt, denn dort kann sich Schimmel bilden. Dem Krug entspricht heute am ehesten ein Steinzeugtopf mit Beschwerstein, wie man ihn für Sauerkraut nimmt. Wie die Birnen später gegessen werden, sagt der Text nicht, nur dass sie „zů der notturfft“, für den Bedarf, bereitstehen.

Ist das etwas für die Lagerküche?

Nein. Es ist kein Gericht, sondern ein Weg, rohe Birnen über das Jahr zu halten: erst einen Monat lagern, dann im Wein. Wer zu Hause einen Krug angesetzt hat, kann ihn ins Lager mitbringen.

Worauf bezieht sich „wie gesagt“?

Auf den Abschnitt unmittelbar davor, über die kleinen Muskatellerbirnen. Dort sollen die Früchte recht reif, an einem schönen, hellen Tag und mit der Hand gebrochen werden, damit sie beim Abschütteln nicht zerfallen; so soll man nach Ryff alles Obst brechen, das über das Jahr halten soll.

Welcher Wein, welche Birnen, welches Gewicht?

Ryff verlangt nur guten, klaren Wein und gut reife Birnen; eine Sorte nennt er bei beidem nicht. Auch womit beschwert wird, sagt er hier nicht. Bei den Kirschen in Honig nimmt er ein Brettchen mit einem Stein darauf.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Ryff: Confect oder Latwergen büchlin (1562, Straßburg). Aus Ryffs Apothekenbuch die Stücke für Küche und Keller: Latwergen aus Quitten, Kirschen, Pflaumen, Johannisbeeren, Berberitzen, Maulbeeren, Holunder und Hagebutten, eingemachter Ingwer, grüne Walnüsse, Quitten, Weichseln, Birnen, Pfirsiche und Pomeranzen, süßsauer eingemachte rote Rüben und Mangold, Obst gedörrt und frisch über den Winter gebracht, Rosen-, Veilchen- und Rosmarinzucker, Ypocras, Claret und Lautertrank, Kräuter- und Beerenweine, zwei Marzipane und der Met nach dem Brauch in Riga, Reval und Polen.

Die byren werden auch inn andere art gemeinglich bey vns vber jar behalten, alſo das ſie dermaſſen wol zeitig abgebꝛochen, wie geſagt iſt, auff ein Monat behalten werden, vnnd nachmals oꝛdenlich in ein ſteinin krůg gelegt, vnnd gůten lautern wein darüber goſſen, wol beſchwärt, das ſie nicht entpoꝛ ſchwimmen, vnnd alſo vber jar zů der notturfft behalten.
Druck
Walther Hermann Ryff, Der Erste Theyl der kleynen Teütschen Apoteck, Confect oder Latwergen büchlins (Straßburg: Samuel Emmel 1562), Auswahl aus Teil I–III und V samt Konfekt-Anhang, Bl. 4r–90r
Teil
Teil II: Einmachen und Einbeizen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Straßburg 1562, alemannisch geprägter Druck)
Entstehung
Straßburg, 1562

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

byrenpear Q13099586

Originalwerk (~1562) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 074, Getty Research Institute via archive.org (gri_33125014522268) Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription am Digitalisat (archive.org, Getty Research Institute) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ryf-021
LagerkücheLagerküche
Kein Gericht, sondern Vorratshaltung roher Birnen über das Jahr: erst einen Monat lagern, dann in Wein einlegen. Im Lager nicht umzusetzen, wie beim Frischhalten der Quitten. Birnen gibt es im Spätsommer und Herbst; ein zu Hause angesetzter Krug lässt sich ins Lager mitbringen.
Alle Rezepte aus Ryff: Confect oder Latwergen büchlin Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 07.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.