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Gelbes Reismus

Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit35 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Kochbuch der Maria Stenglerin (~1554)

Nimm einen Reis und siede ihn gut in Mandelmilch. Treibe ihn dann durch ein Tuch. Gib Zucker und Safran hinzu, mache es gut süß.

Tue es dann wieder in den Topf, lass es sieden und rühre es oft um, so ist es fertig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ain Reys Reis - - -
ainer mandel millich Mandelmilch - Supermarkt -
Zucker Zucker - - -
ſaffren Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Kurkuma für die Farbe, aber ohne den typischen Safran-Geschmack

Welches Gericht ist das? Ein safrangelbes Reismus aus Reis, Mandelmilch und Zucker, durch ein Tuch gestrichen und im Topf noch einmal aufgekocht - „Hafen“ meint hier schlicht den Kochtopf. Am ehesten vergleichbar mit heutigem Milchreis oder Reispudding, nur mit Mandel- statt Kuhmilch und mit Safran statt Zimt gefärbt. Dieselbe Reismus-mit-Mandelmilch-Familie taucht mehrfach im Korpus auf, mit kleinen Verfahrensunterschieden - etwa Vorkochen des Reises in Wasser, vorheriges Zerstoßen zu Mehl, oder Zusatz von Weinbeeren beziehungsweise geröstetem Apfel.

Zum Titel. Die Titelzeile lautet „Ain gelbs muss“, also „ein gelbes Mus“.

Praxis. Reis in reichlich Mandelmilch weich kochen, bis er zerfällt (etwa 20-25 Minuten bei mittlerer Hitze, gelegentlich umrühren), dann durch ein feines Sieb oder Passiertuch streichen, um die glatte, musartige Konsistenz zu erhalten. Zucker und Safran unterrühren, die Masse zurück in den Topf geben, kurz aufkochen und dabei häufig rühren, damit sie am Boden nicht ansetzt. Mengen und Garzeit nennt das Original nicht - als Richtwert für 2-4 Portionen eignen sich etwa 200 g Reis auf 750 ml Mandelmilch.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist einfach und schnell am offenen Feuer möglich, und die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.

Was ist ein 'Mus'?

Ein Mus ist eine breiige Zubereitung aus zerstoßenen oder pürierten Zutaten, oft süß und als Beilage oder Dessert serviert.

Warum wird Safran verwendet?

Safran verleiht dem Mus eine leuchtend gelbe Farbe und ein feines, leicht herbes Aroma. Im Mittelalter war Safran ein teures Gewürz und galt als Zeichen von Wohlstand.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.

Ain gelbs muss. Item nimb ain Reys, ſeuids wol in ainer mandel millich, treibs dann durch ain thuch, thu daran Zucker vnnd ſaffren, machs wol ſies, vnd thus wider jnn den Hafen, laß ſieden vnd riers offt vmb ſo iſt es gemacht.
Hafen

Ein Topf oder Kochgefäß.

Ain

„Ain gelbs muss“ (= „ein gelbes Mus“).

Druck
Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen
Teil
Torten und Muse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1554
Neudruck
1886 (Originalhandschrift verschollen)

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ain Reysrice Q5090
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231
ſaffrensaffron Q25434

Originalwerk (~1554) gemeinfrei.

Bildquelle
Seite 012, München, Bayerische Staatsbibliothek, 4 Oecon. 207 h (bsb00076173) - CC BY-NC-SA 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Bayerische Staatsbibliothek (MDZ), Digitalisat des Neudrucks 1886 - kein Bibliotheks-OCR vorhanden (api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb00076173 liefert 404), eigenes Kraken-OCR nötig Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Im Topf am Feuer in etwa 30-45 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 13.09.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.