Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Für ein Reismus: Nimm Reis und wasche ihn gründlich in vier Wassern. Trockne ihn schön und ganz gut, entweder in einer Pfanne oder an der Sonne, bis er ganz trocken ist.
Stoße den trockenen Reis im Mörser fein und siebe ihn durch ein Tuch oder ein feines Sieb, sodass ein feines Reispulver entsteht.
Mache dann eine dicke Mandelmilch und setz sie ans Feuer. Gib einen halben Löffel des gestoßenen Reispulvers hinein und süße mit Zucker.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Reisz | Reis | - | - | - |
| vier wassern | Wasser (viermal gewechselt zum Waschen) | - | Leitung | - |
| ain dicke mandel milich | Mandelmilch (dick angerührt) | - | - | Fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt verwenden und bei Bedarf leicht einköcheln, um sie dicker zu machen |
| des gestossens ain halben loffel vol | 0,5 EL gestoßenes Reispulver | 0.5 EL | - | Fertiges Reismehl aus dem Supermarkt spart das Trocknen, Stoßen und Sieben komplett |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein gesüßter Reismehl-Brei, gebunden mit dicker Mandelmilch statt mit ganzem Reiskorn - der fastentaugliche Vorläufer des heutigen Milchreises, in der Textur aber eher einem Pudding aus der Blancmanger-Familie verwandt, weil hier feines Reispulver statt ganzer Körner die Bindung übernimmt. Der nahezu wortgleiche Zwilling mon-110 im Mondseer Kochbuch bestätigt Verfahren und Zutaten-Trias (Reis, Mandelmilch, Zucker) Schritt für Schritt, ebenso die verkürzte Fassung m725-007 und die Apfeltopping-Variante bgs-075 aus dem Buch von guter Speise.
Ein Trocknungsschritt, kein Auspressen. Der gewaschene Reis wird in einer Pfanne oder an der Sonne getrocknet, bis er ganz trocken ist - das ist ein einzelner Arbeitsschritt. Feuchter Reis lässt sich schlecht zu Pulver stoßen, die Trocknung dient allein der Vorbereitung fürs Mörsern, nicht dem Garen.
Praxis. Fertiges Reismehl aus dem Supermarkt ersetzt Waschen, Trocknen, Stoßen und Sieben komplett. Dicke Mandelmilch (bei Bedarf leicht eingekocht) ans Feuer setzen, einen halben Esslöffel Reismehl einrühren und mit Zucker süßen, bis die Masse sämig andickt. Wie viel Mandelmilch auf den halben Löffel Reispulver kommt, sagt der Text nicht - wer es probiert, tastet sich am besten löffelweise an eine sämige, aber noch fließende Konsistenz heran. In einem einzigen Topf und ohne Kühlbedarf in rund 15 bis 20 Minuten fertig.
Gemeint ist der große mittelalterliche Küchenmörser aus Stein oder Metall, mit dem trockene oder feste Zutaten zu Pulver oder Paste gestoßen wurden, nicht der kleine Gewürzmörser. Für dieses Rezept lohnt sich der Aufwand heute nicht: fertiges Reismehl aus dem Supermarkt ersetzt das Waschen, Trocknen, Stoßen und Sieben komplett und schmeckt genauso gut.
Ja, mit modernen Zutaten sogar sehr gut. Fertiges Reismehl und fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt machen aus dem mehrstufigen historischen Verfahren ein schnelles Ein-Topf-Gericht am Feuer, ganz ohne Kühlbedarf.
Ungeschälter oder grob gereinigter Reis brachte im Mittelalter noch Spelzenreste und Staub mit, das mehrfache Waschen entfernte das. Die Trocknung an der Sonne oder in der Pfanne war nötig, weil man den Reis danach im Mörser zu feinem Pulver stoßen wollte, feuchter Reis lässt sich schlecht zerstoßen. Heute übernimmt das fertiges Reismehl.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Hier im Sinne von Mus/Brei, eine löffelfähige Speise ohne Fett oder Ei, wie es die CoReMA-Sachglosse (Wikidata Q636056) auch einordnet. Anders als bei manchen Meister-Hans-Rezepten mit Schmalz und Eiern ist hier keine gebackene Speise gemeint.
Mandelmilch, ein aus gemahlenen Mandeln und Wasser gezogener Sud, war die zentrale Fastenzeit-Alternative zu Kuhmilch.
Meint das zuvor im Mörser fein gestoßene und durchgesiebte Reispulver, kein eigenständiges neues Wort, sondern der Rückverweis auf den vorher zubereiteten Reis.
Ein großer Fleisch- und Küchenmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Siehe FAQ.
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