Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Pechgeschmack im Wein: Salbei, Hopfen und Feigen oder Quitten einhängen
Moderne Übersetzung
Kahniger oder kahmiger Wein, und pechiger Wein.
Merke hier von vielen anderen Gebrechen, die dem Wein zustoßen können: Wenn der Wein nach Pech schmeckt, so hänge drei Tage lang eine Handvoll Salbei und ebenso viel Hopfen ins Fass, dazu drei Coctona-Feigen oder vier Quitten. Dann werden der Widerwille und der Gestank aufhören.
Damit du aber erkennen kannst, ob der Pechgestank allein vom Wein oder auch vom Fass ausgeht, musst du den Wein in ein anderes, ebenso großes Fass ablassen, das rein und gut gesäubert ist, und das, was oben genannt ist, hineinhängen. So wird der Wein von allem üblen Gestank befreit.
Oder:
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein hand vol Saluey | ein hand vol Saluey | 1 | - | - |
| ſo viel Hopffen | ſo viel Hopffen | - | - | - |
| 3. feygen Coctona | 3. feygen Coctona | 3 | - | - |
| 4. Kytten | oder 4. Kytten | 4 | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Eine Kellerbehandlung für Wein, der nach Pech schmeckt. Aromatisches wird für drei Tage ins Fass gehängt, und wo der Fehler im Holz stecken könnte, zieht der Wein vorher in ein reines, gleich großes Fass um.
Woher der Pechton kommt. Fässer wurden vielerorts innen mit Pech ausgestrichen. Rasch selbst merkt nach dem folgenden Eintrag an, in Österreich seien gepichte Fässer nicht so gebräuchlich wie vielleicht in Meißen. Der zweite Absatz zielt auf genau diese Frage: Steckt der Ton im Wein oder gibt ihn das Fass weiter ab? Woran man das Ergebnis abliest, sagt Rasch nicht; er sagt nur, dass der Wein im reinen Fass von allem üblen Gestank frei wird.
Feigen oder Quitten. „Coctona“ ist das lateinische cottana, eine Art kleiner trockener Feigen. Dasselbe Wort steht im mittelalterlichen Latein aber auch für die Quitte, und gleich dahinter nennt Rasch vier Quitten als Ersatz. Gemeint sind wohl kleine getrocknete Feigen; sicher ist das nicht.
Wie gehängt wird. Das sagt der Text nicht. Im folgenden Eintrag bindet Rasch Eppich in ein sauberes Leinentuch, damit der Wein nicht verunreinigt wird; bei Rumpolt kommt dieselbe Salbei-Hopfen-Mischung in einen Leinensack. Das sind Parallelen, keine Angabe dieses Eintrags.
Praxis. Heute würde man sagen: Salbei und Hopfen geben eigenes Aroma und Bitterkeit an den Wein ab und überdecken einen Pechton eher, als dass sie ihn beseitigen. Ob Feigen oder Quitten etwas binden, ist nicht belegt. Wirksamer ist der zweite Schritt, das Umziehen in ein sauberes Fass, weil der Wein dann nicht weiter am pechigen Holz liegt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-014/
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