Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Kirschwein mit Honig und Gewürzsäcklein
Moderne Übersetzung
Nimm den Saft von den Kirschen und dazu zwei Maß Honig, dazu ein Lot Nelken, ein Lot Galgant und ein Lot Zimt. Stoße sie alle klein, tu sie in ein Säcklein und hänge es in den Kirschtrank. Der Saft soll auch gut gereinigt werden.
Nimm dann den Honig und lass ihn in einem Kessel gut zergehen. Gieß einen Löffel voll von dem Saft dazu, damit es miteinander zergeht. Lass es dann gut kalt werden und gieß es in das Fass mit dem Trank, so wird er edel und klar.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| den ſafft von den Kirſchen | der Saft von den Kirschen | - | - | - |
| zwo maß hoͤnig | zwei Maß Honig | 2 | - | - |
| ein loth Negelin | ein Lot Nelken | 1 | - | - |
| 1. loth Galgadt | ein Lot Galgant | 1 | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Ingwer, wenn kein Galgant zu bekommen ist |
| 1. loth Zim̃et | ein Lot Zimt | 1 | - | - |
| ein ſaͤcklin | ein Säcklein für die Gewürze | 1 | - | sauberes Leinentuch, zugebunden |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Kirschwein: Der Kirschsaft kommt ins Fass, dazu Honig, der vorher im Kessel aufgelöst wurde, und ein Säcklein mit gestoßenen Nelken, Galgant und Zimt, das im Trank hängt. Rasch verspricht als Ergebnis einen Wein, der „edel und klar“ wird.
Gärt der Trank? Der Text sagt es nicht. Die Überschrift „Kirschen Wein“ setzt einen Obstwein voraus, der mit seinem Saft im Fass gärt. Wie lange er liegt, ob das Fass offen bleibt oder verspundet wird und woran man das Ende erkennt, steht nicht da. Ein Hausbuch des 15. Jahrhunderts beschreibt dasselbe Verfahren ausdrücklich mit unvergorenem Kirschsaft.
Der Honig im Kessel. „Zergehen“ heißt schmelzen, sich auflösen. Dass der Honig danach „wol kalt“ werden soll, zeigt, dass er im Kessel erwärmt wird; wie stark, sagt Rasch nicht. Den Löffel Saft gibt er dazu, „daß es mit einander zergehet“.
Den Saft reinigen. Wie das geschehen soll, sagt der Text nicht. Reinigen heißt hier von Beimischungen befreien, läutern. Heute würde man den Saft durch ein Tuch seihen; ebenso denkbar ist, ihn absetzen zu lassen und abzuziehen.
Praxis. Die Saftmenge nennt Rasch nicht, das Verhältnis von Honig zu Saft bleibt deshalb offen. Die Gewürze klein stoßen, in ein Leinensäcklein binden und in den Saft im Fass hängen. Den Honig im Kessel erwärmen, bis er flüssig ist, einen Löffel Saft einrühren, ganz abkühlen lassen und dann zum Saft ins Fass geben.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-090/
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