Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Claret, Würzwein mit Honig
Moderne Übersetzung
Wie man guten Claret machen soll. Nimm zu einem Viertel Wein ein Achtel Honig und siede den Honig mit einer halben Maß Wein und schäume ihn gut ab. Gib es dann in den anderen Wein.
Nimm ein Lot Nelken, ein Lot Paradieskörner, zwei Lot Zimtrinde, ein Lot Narde und ein Lot Ingwer, stoße das klein und gib es in den Wein. Lass es drei Stunden stehen und gieß es dann auf den Sack, so hast du einen guten Claret.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| einem vierteil wein | zu einem vierteil wein | 1 | - | - |
| einer halben maß wein | mit einer halben maß wein | ½ | - | - |
| ein achttail hoͤnig | ein achttail hoͤnig | 1 | - | - |
| ein loth Negelin | ein loth Negelin | 1 | - | - |
| ein loth Parißkoͤꝛner | ein loth Parißkoͤꝛner | 1 | Online-Gewürzhandel | Schwarzer Pfeffer (heutiger Ersatz) |
| 2. loth Zimmetrinden | 2. loth Zimmetrinden | 2 | - | - |
| 1. loth Spicanardi | 1. loth Spicanardi | 1 | - | - |
| 1. loth Ingwer | 1. loth Ingwer | 1 | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Claret, also ein mit Honig gesüßter Würzwein. Von einer Gärung ist keine Rede: Der Honig wird in einer halben Maß Wein gesotten und abgeschäumt und kommt dann zum übrigen Wein, die gestoßenen Gewürze stehen drei Stunden darin, zuletzt wird alles durch einen Sack gegossen. Feuer braucht nur der Honig.
Der Honig. Rasch siedet den Honig nicht in Wasser, sondern in einem kleinen Teil Wein, und nimmt den Schaum ab, der dabei aufsteigt. Ob der Honigwein abkühlt, bevor er zum übrigen Wein kommt, sagt der Text nicht; heute lässt man ihn meist etwas abkühlen.
Die Mengen. Wie groß Viertel und Achtel sind, sagt Rasch nicht. Aus dem Ablauf folgt nur, dass das Viertel mehr ist als eine halbe Maß, denn in dieser halben Maß wird der Honig zuerst gesotten. Wovon der Honig ein Achtel ist, bleibt offen; Rumpolt schreibt an derselben Stelle „ein aͤchtmaß Honig“. Fest steht das Verhältnis der Gewürze untereinander: je ein Lot Nelken, Paradieskörner, Narde und Ingwer, doppelt so viel Zimtrinde.
Die Narde. Spicanardi war ein Sammelname für mehrere duftende Wurzeln und Kräuter. Am ehesten ist der Echte Speik gemeint, eine Alpenwurzel aus der Familie der Baldriangewächse, so wie beim gleichlautenden Claret Rumpolts; die Indische Narde ist nicht ausgeschlossen.
Der Sack. Gemeint ist ein Seihsack: Der Wein läuft hindurch, Gewürzpulver und Trub bleiben zurück. Ob einmal oder mehrmals gegossen wird, sagt Rasch nicht.
Praxis. Den Honig mit einer halben Maß Wein aufsieden, abschäumen und in den übrigen Wein geben. Je ein Lot Nelken, Paradieskörner, Narde und Ingwer und zwei Lot Zimtrinde klein stoßen, in den Wein geben und drei Stunden stehen lassen. Dann durch einen Seihsack gießen, heute tut es auch ein Filterbeutel oder ein dichtes Tuch. Wie viel Wein und Honig gemeint sind und wie lange sich der Claret hält, sagt der Text nicht.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-113/
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