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Rheinfränkisches Kochbuch (Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v))

Mittelrhein, ~1445 · Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)

Goldene Schnitten (Arme Ritter mit Safran)

Moderne Übersetzung

Willst du goldene Schnitten machen, so nimm Eigelb, Safran und Salz und schlage es auf. Ziehe die Schnitten hindurch und backe sie. Streue anschließend Zucker darauf und gib Salz dazu.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
eyer doderen Eigelb Supermarkt -
saffran Safran Supermarkt -
salcze Salz - -
snyden Altbackenes Weißbrot, fingerdick geschnitten (im Text nicht explizit benannt) Bäcker / Supermarkt Frisches Weißbrot 1-2 Tage offen liegen lassen; alternativ Toastbrot oder Brioche
Butterschmalz oder Schmalz zum Ausbacken Supermarkt Butter (vorsichtig wegen Bräunung), Schweineschmalz (sehr authentisch), neutrales Pflanzenöl als moderne Alternative
czucker Zucker - -
salce Salz (zum Bestreuen) - -

Zubereitungshinweis

Das ist das mittelalterliche Original-Rezept für ‚Arme Ritter‘ / French Toast - mit Safran für die goldene Farbe (Namensgeber). Standardgericht der Resteverwertung in nahezu jedem deutschsprachigen Kochbuch des Spätmittelalters.

Brot ist implizit (Mhd.-Allgemeinwissen): Die Hauptzutat - Brot in Scheiben - wird im Text nicht eigens benannt. Klassische Lakonik der Zeit: der Schreiber setzt voraus, dass jeder Koch weiß, was ‚snydden‘ (= ‚Schnitten‘) im Resteverwertungs-Kontext sind. Praktisch: altbackenes Weißbrot (1-2 Tage alt), fingerdick geschnitten - frisches Brot saugt sich zu voll und zerfällt beim Eintunken.

‚Backe sij‘ = in Pfanne mit Fett braten, nicht im Ofen: Mhd. ‚backen‘ deckt das ganze Spektrum von Ofen- bis Pfannen-Garen ab. Für Arme Ritter zwingend Pfanne mit reichlich Butterschmalz oder Schmalz, beidseitig goldbraun. Im Ofen würde die Eimasse nicht knusprig.

Safran als Namensgeber: Ohne Safran sind es schlicht ‚armer-Ritter-Schnitten‘, nicht gulden snydden. Eine Prise echter Safranfäden in den verquirlten Eigelb-Sud einlegen und 5 Min ziehen lassen, dann die Brotscheiben wenden. Periodentreuer Farbersatz wäre Ringelblumenblüte oder etwas mehr Eigelb - aber dann fehlt das florale Aroma und das Statussymbol-Element (Safran war im 15. Jh. so teuer wie Gold).

Süß-salziger Finish (das ist French Toast ohne Zimt!): Direkt nach dem Ausbacken Zucker drüberstreuen + eine Prise Salz - keine breite Salzschicht, eher Akzent. Bemerkenswert: der heute selbstverständliche Zimt-Zucker auf Arme Ritter ist eine deutlich spätere Tradition (~18./19. Jh.), obwohl Zimt im 15. Jh. längst als teures Statusgewürz verfügbar war. Das mittelalterliche Original setzt bewusst auf den Salz-als-Süßekontrast - dieselbe Geschmacks-Doppelung findet sich in zeitgenössischen Lebkuchen- und Marzipan-Würzungen. Wer’s modern mag: Zimt-Zucker funktioniert natürlich auch, ist aber historisch nicht authentisch für diese Variante.

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