Klosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632)
Süß-saurer Lebkuchen-Sud
Moderne Übersetzung
Nimm Essig, Honig und Lebkuchen. Stoße sie untereinander und seihe die Mischung durch ein Tuch. Koche sie auf und serviere sie kalt.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| essich | Essig | - | - | - |
| honig | Honig | - | - | - |
| leczelten | Lebkuchen | - | Supermarkt (Saisonware), Online-Lebkuchenhandel | ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen) |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies eine süß-saure Gewürzsauce, die ihre Bindung und ihr komplexes Aroma vom Lebkuchen erhält und kalt serviert wird - funktional vergleichbar mit einer modernen Chutney- oder Wildsauce, aber mit einem unverwechselbar mittelalterlichen Gewürzprofil.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt im gründlichen Zerstoßen der Zutaten: Nimm als Startpunkt etwa 100g guten, unglasierten Lebkuchen (z.B. Nürnberger Elisenlebkuchen oder Aachener Printen ohne Schokolade), zerbrösle ihn grob und gib ihn zusammen mit 100ml gutem Weinessig und 50-80g flüssigem Honig in einen Mörser. Zerstoße alles sehr fein, bis eine homogene, breiige Masse entsteht. Dieser Schritt ist entscheidend, damit der Lebkuchen seine Bindekraft und sein volles Aroma entfalten kann. Anschließend streichst du die Mischung durch ein feines Tuch oder Sieb, um alle festen Partikel zu entfernen und eine samtige Sauce zu erhalten. Die so gewonnene Flüssigkeit kochst du bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren auf, bis sie merklich andickt und eine sämige Konsistenz erreicht - der Lebkuchen bindet hierbei ganz natürlich. Achte darauf, dass es nicht anbrennt. Der häufigste Fehler ist unzureichendes Zerstoßen, was zu einer körnigen Sauce führt.
So wird es richtig gut. Die Balance zwischen Süße und Säure ist hier entscheidend. Probiere die Sauce nach dem Aufkochen und justiere bei Bedarf mit etwas mehr Honig für Süße oder einem Schuss Essig für mehr Frische. Ein Hauch Verjus wäre historisch passend und würde eine feine, fruchtige Säure beisteuern, falls du welchen zur Hand hast. Die Sauce sollte eine Konsistenz haben, die einen Löffelrücken gut überzieht. Lass sie vollständig abkühlen - sie wird beim Erkalten noch etwas fester. Serviere sie gut gekühlt. Die komplexen Gewürze des Lebkuchens (Zimt, Nelken, Anis, Koriander) harmonieren wunderbar mit kräftigen Fleischgerichten wie Wildbret oder auch gebratenem Fisch.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ri15632-010/
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