Ein new Kochbuch (Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle)
Wermutwein mit Honig und Zucker
Moderne Übersetzung
Wiewohl er beim Kosten herb ist, hat er doch große Kraft bei Melancholikern. Gemacht wird er so: Man hängt grünen oder getrockneten Wermut in den Wein. Besser ist es aber, den Wein so lange durch den Wermut zu seihen, bis er Geschmack und Kraft davon angenommen hat. Man soll Honig und Zucker hineingeben, dadurch wird die Kraft besser herausgezogen.
Der Wein ist gut gegen Würmer, gegen Schleim im Leib und an den heimlichen Orten. Er stärkt sehr bei Verstopfung von Milz und Leber und hilft gegen die Gelbsucht. Er ist gut gegen Wahnsinn, bringt verlorene Sprache wieder und ist gut gegen Gift. Er klärt das Gesicht, hilft Leber und Magen, löst den Harn, reinigt die Frauenkrankheit und befreit den Bauch von grober Feuchtigkeit. Lässt man den Dampf durch einen Trichter in die Ohren strömen, bringt er das Gehör wieder. Wird eine Wunde damit gewaschen, wächst keine Fistel und kein faules Fleisch darin. Er heilt auch die Räude.
Wer davon trinkt, ehe er aufs Meer fährt, dem hilft er gegen die Übelkeit. Er ist zuzeiten auch gut gegen die Pest, beim Wechsel des Ortes und beim Besuch der Kranken, und bei schlechter Luft im Frühling zu gebrauchen. Er bringt Schlaf und heilt Geschwulst und Gliedsucht. Im Hals gegurgelt, hilft er bei geschwollener Zunge. Er hilft auch bei vielen anderen Seuchen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gruͤn oder duͤrren Wermut | Wermut | - | Reformhaus, Kräuterhandel | Frischer oder getrockneter Wermut, beides ist laut Original möglich |
| Wein | Wein | - | - | - |
| Honig | Honig | - | - | - |
| Zucker | Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Kräuterwein: fertiger Wein, mit Wermut aromatisiert und mit Honig und Zucker versetzt, den Rumpolt als Heilwein beschreibt. Die Herstellung umfasst nur drei Sätze, der Rest des Abschnitts ist eine Liste von Heilwirkungen.
Hängen oder Durchseihen. Rumpolt nennt zwei Wege, die je für sich vollständig sind und keine Abfolge bilden: das Kraut, grün oder getrocknet, in den Wein hängen oder den Wein durch den Wermut seihen. Den zweiten hält er für besser. Wie der Wermut beim Seihen gehalten wird, ob als Bündel, in einem Säckchen oder als Lage, steht nicht da. Das einzige Ende, das er nennt, ist die Geschmacksprobe: so lange, bis der Wein Geschmack und Kraft vom Wermut angenommen hat. Eine Zeit nennt er nicht.
Honig und Zucker. Beide stehen nebeneinander, ohne Menge und ohne Reihenfolge. Rumpolt begründet sie damit, dass sie die Kraft besser herausziehen, nicht mit der Bitterkeit. Dass Süße den bitteren Eindruck dämpft, ist eine heutige Beobachtung, keine Aussage des Textes.
Wein, nicht Most. Die benachbarten Kräuterweine für Borretsch und Alant setzen ausdrücklich in Most an, hier steht Wein. Von Sieden oder Gärung ist nicht die Rede. Eine Sorte oder Farbe nennt Rumpolt nicht; heute liegt ein schlichter Weißwein nahe.
Der Dampf in den Ohren. Dass Dampf aufsteigt, setzt warmen Wein voraus. Der Text beschreibt das aber als Anwendung, nicht als Teil der Herstellung, und sagt nicht, wie erwärmt wird.
Praxis. Fertigen Wein nehmen, grünen oder getrockneten Wermut hineinhängen oder den Wein durch das Kraut laufen lassen, Honig und Zucker hineingeben. Mengen für Wermut, Honig und Zucker nennt der Text nicht, ebenso wenig eine Ziehzeit. Wermut ist sehr bitter, wer das nachmacht, kostet sich deshalb heran.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rum-1986/
fyndling.de/rezepte/rum-1986/