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Ein new Kochbuch (Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle)

Frankfurt am Main, 1581 · Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)

Bier mit Fassgeschmack: Weizenkörner oder Kräuter und Eier ins Fass

Moderne Übersetzung

Wenn ein Bier nach dem Fass schmeckt: Nimm ein Bündel von fünfunddreißig Weizenkörnern und hänge es in das Fass, so wird das Bier wohlschmeckend zu trinken.

Ebenso: Nimm Rainfarn, das ist ein Kraut, dazu Wacholderbeeren, die Wurzel des Heiligen Geistes und die rote Benediktenwurz, von jedem gleich viel, und vier frische oder harte Eier. Hänge es oder lege es in das Bierfass.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
fuͤnff vnd dreyssig Weitzkoͤrnern 35 Weizenkörner, zu einem Bündel gebunden 35 Stück - -
Reinfall Reinfall, ein Kraut - - -
Wacholderbeer Wacholderbeeren, gleiche Menge - - -
deß heyligen Geistes Wurtzel Wurzel des Heiligen Geistes, gleiche Menge - - -
Benedicten die rote Rote Benedikten, gleiche Menge - - -
vier frisch oder harte Eyer 4 Eier, frisch oder hart 4 Stück - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Kein Gericht, sondern ein Kellermittel aus Rumpolts Kapitel über die Kellermeisterei, in einer Reihe von Mitteln für Bier im Fass. Es sind zwei selbständige Mittel, jedes mit „Jtem“ eingeleitet: ein Bündel aus fünfunddreißig Weizenkörnern, das ins Fass gehängt wird, oder ein Gebinde aus einem Kraut, Wacholderbeeren, zwei Wurzeln und vier Eiern, das ins Bierfass gehängt oder gelegt wird.

Reinfall. Rumpolt erklärt das Wort selbst: „ist ein Kraut“. Damit ist der gleichlautende süße Südwein ausgeschlossen, den er an anderer Stelle (rum-0658) unter demselben Namen nennt. Die Übersetzung mit Rainfarn folgt aus diesem Zusatz und aus den Wörterbuchformen reinfarn und reinfar; die Form auf -fall ist als Pflanzenname nicht eigens belegt.

Die beiden Wurzeln. Die „Wurzel des Heiligen Geistes“ ist die Engelwurz; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt heiliggeistwurz als Wald-Engelwurz. Hinter „Benedicten die rote“ steht wahrscheinlich die Nelkenwurz, möglich ist auch die Benediktendistel. Was „die rote“ unterscheidet, sagt Rumpolt nicht.

Mengen und Dauer. „Eines so viel als deß andern“ heißt: von Rainfarn, Wacholder und den beiden Wurzeln jeweils gleich viel. Eine Gesamtmenge nennt der Text nicht, ebenso wenig, wie lange das Bündel oder das Gebinde im Fass bleibt und für welche Fassgröße es gedacht ist. Das bleibt hier offen.

Die Eier. „Frisch oder harte“ ist eine echte Wahl: rohe oder hart gekochte Eier. Rumpolt bevorzugt keine der beiden.

Praxis. Ausführbar ist vor allem das erste Mittel: ein kleines Bündel aus fünfunddreißig Weizenkörnern, ins Fass gehängt. Wie das Bündel gebunden und wo es eingehängt wird, sagt der Text nicht. Rumpolt verspricht nur, das Bier werde „wolgeschmack zu trincken“. Eine Begründung gibt er nicht, und eine Wirkung ist hier nicht geprüft.

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