Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)
Gebackene Schneeballen
Moderne Übersetzung
Mach den Teig wie für die Hasenöhrlein, wälze ihn aber aus wie für die langen Pfannzelten, nur ein wenig breiter.
Schneide mit dem Teigrädchen feine, kleine Streifen. Hebe sie mit einer Spindel auf und flechte sie abwechselnd: einen Streifen nach unten führen, den nächsten nach oben, so fort.
Lege das Geflochtene in ein kleines Mörserlein und lass es ausbacken. So werden die Schneeballen gut.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| den taig wie zú den hassenerrlach | Teig, wie für Hasenöhrlein | - | - | Fertigen Krapfen- oder Nudelteig aus dem Kühlregal verwenden, wenn kein eigener Teig nach dem anderen Rezept vorbereitet wurde |
| Schmalz oder Öl zum Ausbacken | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Schneeballen zum Backen - der direkte Vorläufer des heute noch auf Mittelaltermärkten und in Rothenburg ob der Tauber verkauften „Schneeballs": Teigstreifen werden mit dem Teigrädchen geschnitten, abwechselnd über eine Spindel geflochten und in heißem Fett ausgebacken. Die Kerntechnik - Streifen zu einer Hohlkugel flechten, dann frittieren - ist mit der modernen Zubereitung identisch, auch wenn heute meist ein eigenes Schneeball-Schneidewerkzeug statt Teigrädchen und Spindel benutzt wird.
Was bedeutet 'Mörserlein' hier wirklich?
Wörterbücher belegen 'Mörserlein' als kleinen Mörser, und der geflochtene Teig wurde direkt darin ausgebacken - kein Widerspruch, sondern eine belegte Doppelnutzung: Das Mondseer Kochbuch beschreibt im Rezept 'Mörserhühner' (mon-084) wortwörtlich, Schmalz in einen Mörser zu gießen und das Gericht darin zu backen ('gewß ein wenig smalcz in einen morsar ... vnd laß es pachen'). Ein kleiner Mörser mit rundem Boden konnte demnach sowohl zum Stoßen als auch zum Frittieren dienen - dieselbe Küchenlogik, die auch hinter dem 'Mörserlein' in diesem Rezept steht.
Praxis.
Teig wie für Hasenöhrlein ansetzen, dann etwas breiter auswellen als für lange Pfannzelten - die zusätzliche Breite liefert mehr bzw. längere Streifen. Mit dem Teigrädchen in feine, schmale Streifen schneiden, mit einer Spindel aufnehmen und abwechselnd flechten: einen Streifen nach unten, den nächsten nach oben, so fort - genau die Bewegung, die heute noch an Marktständen zu sehen ist. In einem kleinen Mörser mit etwas heißem Fett ausbacken, bis die Streifen fest und goldbraun sind - das entspricht der im Mondseer Kochbuch (mon-084) belegten Praxis, Schmalz direkt in einen kleinen Mörser zu geben und darin auszubacken; welches Fett das Originalrezept dafür vorsieht, sagt der Text nicht, Schmalz oder Öl sind eine plausible Praxisannahme.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/saw-102/
fyndling.de/rezepte/saw-102/