Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)
Amarellen-Torte mit Zimt
Moderne Übersetzung
Nimm ein Pfund Amarellen und entferne alle Steine.
Nimm dann ein halbes Pfund Zucker und ein Lot fein gestoßenen Zimt und mische den Zucker darunter. Mische danach die Amarellen ebenfalls darunter.
Gib die Mischung auf einen Boden aus feinem Mehl und lass die Torte in der Tortenpfanne backen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain pfúnd amelber | Amarellen | 500 g | - | Sauerkirschen aus dem Glas, gut abgetropft |
| die stain all heraústhon | Kirschsteine (werden entfernt) | - | - | - |
| ain halb pfúnd zúcker | Zucker | 250 g | - | - |
| ain lot zimerrerlach, klaingestossen | Zimt, fein gestoßen | 15 g | - | - |
| boden, aus schenem mel gemacht | Mehl für den Tortenboden | - | - | Fertiger neutraler Tortenboden (der Originaltext nennt nur feines Mehl, kein Fett oder Ei) |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine Sauerkirschtorte mit Zimt auf einem Boden aus feinem Mehl - die unmittelbare Vorstufe der heutigen deutschen Kirschtorte beziehungsweise des Kirschkuchens. Kein Guss, kein Baiser, keine Deckelkruste: allein Zucker und Zimt binden die entsteinten Kirschen, die roh auf den Boden gegeben und mitgebacken werden. Strukturell (Boden, Fruchtfüllung, in der Pfanne gebacken) ist das bereits der Aufbau der modernen Obsttorte; die entfernter verwandte französische tarte aux cerises verwendet dagegen meist einen zusätzlichen Guss statt der reinen Zucker-Zimt-Bindung.
Welche Kirschsorte ist gemeint? Der Text nennt "amelber". Ein Vergleichsrezept im selben Buch (Nr. 72) unterscheidet amelber, weixlen (Weichseln) und die gewöhnliche Kirsche sogar in einem einzigen Satz als drei getrennte Begriffe - das stützt die Lesart Amarelle, eine helle, milde Sauerkirsch-Sorte. Welche botanische Unterart im engeren Sinn genau gemeint ist, bleibt trotzdem offen, siehe interpretive_choices.
Praxis. Kirschen entsteinen, dann Zucker und Zimt zuerst miteinander vermischen - das verteilt das Gewürz gleichmäßig, bevor austretender Fruchtsaft Klumpen bilden könnte -, danach die Kirschen untermischen. Für den Boden nennt der Text nur "feines Mehl", ohne Fett, Ei oder Flüssigkeit zu erwähnen; was damit genau gemeint war, lässt der Text offen - anders als beim Grundrezept für Tortenteig (saw-070), das immerhin Ei und Mehl nennt. Ein fertiger Mürbeteig- oder neutraler Tortenboden ist eine praktikable moderne Wahl, aber keine im Text belegte. Die feuchte, rohe Zucker-Zimt-Kirsch-Mischung kommt direkt auf diesen Boden, ohne Vorbacken - das birgt ein reales Risiko für einen durchweichten Boden, das der Originaltext selbst nicht adressiert; wer sichergehen will, backt den Boden kurz blind vor. Zeit und Temperatur nennt der Text nicht - die veranschlagten 70 Minuten Gesamtzeit sind eine plausible, aber nicht textgestützte Schätzung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/saw-123/
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