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Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)

Augsburg, 1553 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Mürbe gebratene Hühner am Spieß

Moderne Übersetzung

Nehmt die Hühner, so viele ihr wollt. Dreht ihnen mit den Händen die Köpfe ab und legt sie so auf die Erde, bis sie vollends verendet sind. Stecht sie nicht ab und lasst kein Blut aus ihnen heraus.

Wenn sie tot sind, nehmt sie und klopft sie mürbe, wie man es mit einem Rebhuhn tut. Danach nehmt sie aus und benetzt sie mit keinerlei Wasser oder sonst etwas. Spickt sie gut und steckt sie an den Spieß, bis sie zu schwitzen beginnen.

Dann nehmt den Spieß herab und macht ein Schmalz heiß. Haltet den Spieß so, dass sein unteres Ende nach oben zeigt, und gießt das heiße Schmalz von unten hinein, nicht außen darüber. Lasst sie so weiterbraten, dann habt ihr gute gebratene Hühner.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die hiener Huhn - - -
spicken sý woll Speck zum Spicken - Metzger -
schmaltz Schmalz - - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein ganzes Huhn wird am Spieß über offenem Feuer gebraten und dabei von innen mit heißem Schmalz beschöpft. Der lebende Nachfahre ist das klassische Spieß- oder Rotisserie-Hähnchen, wie es heute an Grillständen und auf Mittelaltermärkten selbst zubereitet wird - nur dass moderne Rotisserie-Hähnchen von außen beschöpft werden, nicht von innen durch den Spieß.

Wie kommt das Schmalz ins Innere? Der Text verlangt, den umgedrehten Spieß von unten mit heißem Schmalz zu befüllen, damit es ins Innere läuft statt außen abzulaufen. Ob dafür ein hohler Spieß nötig war oder das Schmalz einfach in die beim Ausnehmen entstandene Bauchhöhlenöffnung gegossen wurde, während diese oben lag, sagt der Text nicht - die zweite Lesart kommt ohne zusätzliche Annahme über die Spieß-Bauart aus und ist daher die textnähere.

Praxis. Das Huhn kommt fertig vom Metzger - die im Original beschriebene Tötungsmethode per Genickbruch ist reines Zeitzeugnis und wird nicht nachgestellt. Das Huhn nicht mit Wasser benetzen, mit Speck spicken und an den Spieß stecken. Über dem Feuer braten, bis Fett und Feuchtigkeit sichtbar an der Oberfläche austreten ('erschwitzen'), dann kurz herunternehmen. Schmalz erhitzen und bei umgedrehtem Spieß in die Bauchhöhle gießen, dann weiterbraten. Der Text nennt keine Garprobe; als Sicherheitsanker gilt heute: fertig, wenn am dicksten Teil (Keule) klarer Saft austritt bzw. eine Kerntemperatur von ca. 74°C erreicht ist.

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