Back ArrowZurück zum Rezept ÜbersetzenTranslate

Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)

Augsburg, 1553 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Dünne Eierkuchen für die Tafel

Moderne Übersetzung

Nimm 14 Eier und rühre zu jedem Ei ein halbes Eivoll Milch und ebenso viel Wasser darunter. Gib dann so viel Mehl dazu, dass der Teig so dünn wird wie ein Strubenteig.

Nimm eine kleine Tortenpfanne und gib ein wenig Schmalz hinein, sodass sie leicht schmalzig wird. Lass die Pfanne heiß werden und schütte den Teig hinein.

Lege eine kleine Glut sowohl unter die Pfanne als auch darüber, damit der Teig abtrocknet. Schneide den fertigen Fladen in lange, dicke Streifen.

Lege die Streifen in Schmalz, das nicht zu heiß sein soll, und rüttle dabei die Pfanne. Aus demselben Teig kannst du auch Stücke in Form von Nussschalen schneiden.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
14 air Eier 14 - -
zú yedem ain halb aý voll milch Milch, je Ei ein halbes Eivoll - - -
soúil wasser Wasser, ebenso viel wie Milch - Leitung -
mell Mehl - - -
schmaltz Schmalz zum Einfetten der Pfanne und zum Ausbacken - Metzger Butterschmalz oder Pflanzenöl

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein dünner Ei-Milch-Mehl-Fladen wird ohne Backofen in einer kleinen Tortenpfanne zwischen Glut von unten und von oben gebacken, bis er abtrocknet und fest wird. Der fertige Fladen wird in dicke Streifen geschnitten, und diese werden noch einmal in mäßig heißem Schmalz unter Rütteln der Pfanne ausgebacken; wahlweise schneidet man aus demselben Teig Stücke in Nussschalenform. Damit teilt das Rezept die Grundidee der bis heute bekannten Suppenflädle (derselbe dünne Fladen in Streifen) und der süddeutsch-österreichischen Schmarrn-Küchlein - erst backen, dann in Stücke teilen, dann ein zweites Mal in Fett fertig ausbacken -, hier allerdings ungesüßt und ohne Rosinen.

Die Glut über dem Teig. Der Text nennt nur die Position der Glut - unter und über der Pfanne -, aber kein Zwischenstück, auf das man diese Glut oberhalb gelegt hätte. Glühende Kohlen ohne jede Abdeckung direkt auf den offenen Teig zu legen, brächte Asche und Kohlestücke ins Gebäck; ob mit einer tieferen Pfanne, einem Blech oder einem Deckel gearbeitet wurde, den der Text nicht eigens erwähnt, lässt sich aus dem Wortlaut nicht entscheiden.

Praxis. Für die Nachkoch-Praxis bietet sich ein Blech oder ein passender Deckel zwischen der oberen Glut und dem Teig an, ähnlich dem modernen Dutch-Oven-Backen - direkter Kohlekontakt mit dem offenen Teig ist unpraktisch, auch wenn der Text sich zu diesem Detail nicht äußert. Alternativ backt man den Fladen ohne Glutquelle beidseitig in einer Pfanne auf dem Herd. Die Streifen danach nur kurz und bei mäßiger Hitze in Schmalz unter Rütteln der Pfanne ziehen, bis sie Farbe annehmen - sie müssen nicht mehr durchgaren, nur noch Kruste ansetzen.

fyndling.de/rezepte/saw-144/