Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Eierküchlein aus dem Ofen
Moderne Übersetzung
Nimm zwölf Eier, dazu eine geriebene Semmel und etwas Semmelmehl. Gib einen Löffel voll frisch zerlassenes Schmalz dazu, eine Handvoll Salz und so viel schönes Wasser, dass der Teig ein wenig dicker wird als ein Straubenteig.
Der Ofen muss hinten sehr heiß sein und schön ausgewischt. Gieß den Teig dann in die Pfanne, so wie man es beim Küchlein-Backen tut, stelle sie in den Ofen auf den bloßen Herd und lass eine Viertelstunde backen.
Wenn du die Küchlein aus dem Ofen nimmst, schneide sie der Breite nach in Stücke. Nimm frisches Schmalz oder Butter, gieß ein wenig darüber, streue Zucker darauf und gib etwas davon auch dazwischen. So heiß auf den Tisch tragen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| zwoͤlff ayer | Eier | 12 | - | - |
| ain geribne ſemel | geriebene Semmel | 1 | - | - |
| ein ſemelmel | Semmelmehl | - | - | Feine Semmelbrösel aus dem Supermarkt |
| friſch zergangen ſchmaltz ain loͤffel vol | frisch zerlassenes Schmalz | 1 EL | - | - |
| geſaltzen / ain hand vol | Salz | - | - | - |
| ſchoͤns waſſer | Wasser | - | Leitung | - |
| nimb ein friſch ſchmaltz / oder butter | Schmalz, frisch | - | - | Butter |
| ain zucker darauff vnd darein | Zucker | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein in der Pfanne im Ofen gebackener, dicker Eierteig-Kuchen aus Ei, geriebener Semmel, Semmelmehl und Schmalz - dicker als der dünnflüssige Straubenteig, der für in heißes Fett gegossene Strauben gebraucht wird. Nach dem Backen wird er der Breite nach in Stücke geschnitten, mit Schmalz oder Butter übergossen, gezuckert und heiß serviert. Sein lebendiges Gegenstück ist ein gebackener Ofenpfannkuchen, wie ihn heute etwa der dicke Dutch Baby kennt, entfernt auch mit der Kaiserschmarrn-Familie verwandt - hier aber in Stücke geschnitten statt zerrissen.
Die Ofenzonierung. "Hinten heiß" und "schön ausgewischt" ist die klassische Holzofen-Technik: Die Glut wird nach hinten geschoben, gebacken wird vorne, direkt auf dem sauber gewischten, rußfreien Ofenboden ohne Gestell. Das ergibt eine feste Kruste am Boden, ohne dass der Teig mit der Glut in Berührung kommt.
Der Teig. Geriebene Semmel und Semmelmehl binden das Ei-Wasser-Gemisch und verdicken es zu einer gerade noch gießbaren Masse, das zerlassene Schmalz gibt Fett und Geschmack direkt in den Teig selbst. "Etwas dicker als Straubenteig" heißt: knapp noch gießbar, aber fest genug, dass beim Backen eine zusammenhängende Masse entsteht statt eines flach auslaufenden Fladens. Zucker und Fett kommen erst nach dem Backen auf die bereits gestockte, heiße Masse - so schmelzen und ziehen sie ein, statt zu verbrennen.
Praxis. Im modernen Ofen entspricht das am ehesten Ober-/Unterhitze bei hoher Temperatur, mit einer gefetteten, feuerfesten Pfanne oder Auflaufform auf der untersten Schiene oder dem Boden. Bei der großen Menge roher Eier (zwölf) im Zweifel eher länger als die genannte Viertelstunde backen und mit der Stäbchenprobe auf festen Stand in der Mitte prüfen, statt sich starr an die Zeitangabe zu halten - das vermeidet einen ungaren Eierteig in der Mitte. Nach dem Backen der Breite nach in Stücke schneiden, mit zerlassenem Schmalz oder Butter übergießen, mit Zucker bestreuen (etwas davon ruhig auch zwischen die Stücke geben) und sofort heiß auftragen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-058/
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