Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Quappe (Rutte) in kaltem Wasser gesotten
Moderne Übersetzung
Die Rutte ist ein Fisch.
Lege sie in einer Pfanne in kaltes Wasser und salze nicht zu stark. Lass sie gut sieden, bis sie gar ist.
Trockne sie danach mit Essig ab, noch besser mit Wein, dann bleibt das Fleisch nicht zäh.
Serviere sie heiß, so wie sie gesotten wurde, oder reiche sie in einem gelben Süpplein.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rutten | Quappe | - | Fischhändler (Spezialbestellung, selten im Standardsortiment) | Wels oder Zander |
| kalt waſſer | kaltes Wasser | - | Leitung | - |
| ſaltzen | Salz | - | - | - |
| aim eſſig / oder wein iſt beſſer | Essig | - | - | Wein (laut Originaltext die bessere Wahl zum Abtrocknen) |
| in aim gelben ſüpplin | gelbes Süpplein | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine Quappe (Rutte), ein zarter Süßwasserfisch aus der Dorschfamilie, wird sanft in kaltem Wasser gargezogen und danach mit Essig oder Wein abgetupft, damit das Fleisch nicht zäh wird. Das moderne Pendant ist ein behutsames Pochieren eines zarten Süßwasserfischs, etwa Zander oder Felchen - anders als beim heutigen "Fisch blau" kommt die Säure hier aber erst NACH dem Garen zum Festigen der Oberfläche ins Spiel, nicht vorher ins Kochwasser.
Warum kaltes Wasser? Der Kaltstart im Wasser statt im bereits siedenden Sud ist eine reale Schontechnik für zarte, grätenreiche Süßwasserfische: Sie verhindert, dass die Haut durch den Hitzeschock aufreißt und das Fleisch vorzeitig zäh wird - das erklärt auch die Warnung, nicht zu stark zu salzen, denn Salz zieht zusätzlich Feuchtigkeit aus dem empfindlichen Gewebe.
Warum mit Essig oder Wein abtrocknen? Das Abtupfen der gegarten Quappe mit Essig, besser Wein, ist eine im Fischkapitel wiederkehrende Technik: Die Säure zieht die anhaftende Garflüssigkeit von der empfindlichen Oberfläche ab und strafft sie leicht, damit der Fisch beim Anrichten nicht zerfällt.
Wie erkenne ich den Gargrad? Der Drucktext verlangt nur, den Fisch "gut durchzusieden", ohne Zeit- oder Prüfangabe. Als Praxis-Richtwert gilt die übliche Garprobe für mageren Süßwasserfisch: Das Fleisch ist gar, wenn es sich leicht von der Gräte löst und nicht mehr glasig wirkt.
Praxis. Quappe (ersatzweise Zander oder Wels) in eine Pfanne mit kaltem Wasser legen, mäßig salzen und langsam zum Sieden bringen, bis das Fleisch sich von der Gräte löst und nicht mehr glasig ist. Danach mit einem essig- oder weingetränkten Tuch abtupfen und heiß servieren, pur oder in einem gelben, safrangefärbten Süpplein.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-099/
fyndling.de/rezepte/std-099/